NATURHEILKUNDE aktuell

(0 Bewertungen, durchschnittlich 0 von 5)

Saat-Hafer

Avena sativa,Saathafer

Fahnenhafer, Gemeiner Hafer, Rispenhafer, Biven/Biwen, Evena/Evina, Flöder, Habaro/Haberr/Habir, Habbern/Haberen/Hafern/Haffern, Haber, Haffer, Haowr´r, Havern, Hawer/Hawerkorn, Heberin/Hebrein Brod, Huever, Hyllmann, Koorn, Avena cinera, A. dispermis, A. flava, A. orientalis, Echter Hafer, Mittelmeerhafer.

Saat-Hafer oder Echter Hafer (Avena sativa) gehört zur Gattung Hafer (Avena) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae) und wird als Getreide verwendet.
Die Wildform (Avena fatua, Flughafer) stammt wahrscheinlich ursprünglich aus den Mittelmeergebieten, Nordafrika und Äthiopien und war eher ein unerwünschter Begleiter anderer Getreidearten (Weizen, Gerste).

Die frühesten Nachweise stammen aus bronzezeitlichen Pfahlbauten aus dem Gebiet der heutigen Schweiz. Von den Germanen wurde die Kulturform sehr geschätzt, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass er in deutschen Familiennamen vorkommt (beispielsweise Haferkamp). Die ersten Belege für eine Nutzung in Mitteleuropa stammen aus der Zeit um 2400 v. Chr. Hafer hatte einen hohen Stellenwert, der erst durch die Einführung der Kartoffel verloren ging. Immerhin war Hafer bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Der heute noch angebaute Hafer geht zum überwiegenden Teil in die Tierfütterung. Allerdings ist durch veränderte Konsumgewohnheiten seine Bedeutung für die menschliche Ernährung relativ stark im Steigen begriffen (Haferflocken). Hafer stellt nur geringe Ansprüche an den Boden, benötigt aber ausreichend Niederschläge.

Interessant ist, dass viele Getreideschädlinge sich in ihm nicht vermehren können, was dazu führte, dass er als "Gesundungsfrucht" bezeichnet wird.
Über die Herkunft des Namens gibt es leider nur Mutmaßungen, nach den Gebrüdern Grimm (Deutsches Wörterbuch) soll er etwas mit Böcken oder Schafen zu tun haben. Aufgrund der vielfältigen Anwendungen und Wirkung wurde der Saat-Hafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Woran erkennt man den Saat-Hafer?

Saat-HaferSaat-Hafer ist eine einjährige krautige Pflanze, die zwischen 0,6 bis 1,5 Meter hoch wird. Es handelt sich um ein Rispengras mit einer 15 bis 30 cm langen, allseitswendigen Rispe, die zum Teil auch wieder verzweigte, sich nach unten neigende Rispen trägt. An der Spitze der Ährchen befinden sich zwei bis drei Blüten, von denen meist aber nur zwei fruchtbar sind. Hafer gehört zu den Selbstbestäubern. Saat-Hafer ist eine Sommerfrucht. Interessant ist, dass, wie bei allen Getreide-Arten, aufgrund von Sturm usw. niederliegende Halme sich durch ihr unterseits stärkeres Wachstum wieder aufrichten. Die Blüten öffnen sich erst nachmittags, bei zu geringer Feuchtigkeit sogar erst nach 18 Uhr.

Wie wirkt Saat-Hafer?
Bei der Diabetestherapie und Diabetikerernährung ist der verzögerte Anstieg des Blutzuckerspiegels von Bedeutung, weil dann Insulinausschüttung wesentlich geringer ist. Daher sollten kohlenhydrathaltige Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index und vor allem Vollkornprodukte, wie z. B. Haferflocken oder Haferspeisekleie, verwendet werden. In der Diabetestherapie werden zum Teil sogenannte "Hafertage" eingeschaltet. Es handelt sich dabei um eine spezielle haferbetonte Kost, die über zwei bis maximal drei Tage eingehalten wird. Besonders wirksam ist dies bei der Behandlung der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2. Es handelt sich um eine einfachen Methode zur Senkung der Blutzuckerwerte, Verringerung der Insulinresistenz und somit Erhöhung der Insulinsensitivität. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Verringerung der Insulinzufuhr nach diesen "Hafertagen".

Weiter sind in allen Getreidearten, also auch im Saat-Hafer, Beta-Glucane enthalten (z. B. Zellulose und Lichenin). In der ernährungsphysiologischen Wirkung des Hafers stellen diese Stoffe Schlüsselsubstanzen dar, die aber nur in den äußeren Schichten des Korns vorkommen. Immerhin machen die Beta-Glucane über die Hälfte des Ballaststoffgehalts des Hafers aus, von 5,6 g in 100 g Haferflocken sind 4,5 g Beta-Glucane. Diese Beta-Glucane haben eine Reihe von physiologischen Wirkungen auf den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel. Nicht nur die Senkung des Blutzuckerspiegels spielt dabei eine Rolle, auch die Bindung von Gallensäuren ist wichtig. Diese werden ausgeschieden und müssen vom Organismus neu hergestellt werden, was zu einer Senkung des Cholesterinspiegels führt. Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass ein hoher Verzehr an Ballaststoffen u.a. das Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und koronare Herzkrankheit verringern kann.
Im Verdauungstrakt kann die viskose Substanz aus löslichen Ballaststoffen (Haferschleim) die Darmwände schützen und einen empfindlichen Magen beruhigen. Und nicht zuletzt ist Hafer ein beliebtes Lebensmittel zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern, da er leicht bekömmlich ist und die Fette und Proteine besonders leicht verdaulich sind.

Nicht umsonst wird Hafer neben Hirse als das Getreide mit dem höchsten ernährungsphysiologischen Wert angesehen. In der Naturheilkunde werden außerdem das grüne Haferkraut und das Haferstroh verwendet. Haferstrohbäder sollen bei Hautverletzungen helfen und Juckreiz stillen, aus dem Haferkraut wird ein Tee bereitet, der bei nervösen Einschlafstörungen, Harngrieß und rheumatischen Erkrankungen angewendet wird. Etliche Medikamente gegen nervöse Unruhe enthalten beispielsweise Haferextrakte.

Welche Wirkstoffe sind in Saat-Hafer enthalten?
Enthalten sind Phytosterine, Alkaloide, Avenanthramide (sekundäre Pflanzenstoffe), Steroidsaponine (Avenacoside A und B),  Kieselsäure und Linolsäure. Von allen üblichen Getreidearten hat er den höchsten Mineralstoff- und Fettgehalt. Der hohe Eisengehalt ist zwar vergleichbar mit vielen Fleischsorten, der Verwertungsgrad liegt aber nur bei 3-8% (bei Fleisch sind es bis zu 35%).

Lichenin ist ein wasserlöslicher Ballaststoff und ergibt beim Aufkochen in Wasser eine kolloidale Lösung, weshalb man Lichenin zu den Schleimstoffen zählt.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Medizinisch werden

  • die kurz vor der Vollblüte geernteten, grünen, schnell getrockneten oberirdischen Teile des Hafers (Haferkraut, Avenae herba),
  • das Haferstroh (Avenae stramentum, getrocknete, gedroschene Laubblätter und Stengel von Avenae sativa) und
  • die reifen, getrockneten Haferfrüchte (Avenae fructus)

verwendet.

Anwendungen

Haferkraut wird in Form von Tee oder verschiedenen anderen Zubereitungsformen angewendet. Im Handel ist Grüner Hafertee beispielsweise in einer Mischung mit Brennnesselkraut, Himbeerblättern und Frauenmantelkraut erhältlich. Für einen reinen Hafertee verwendet man etwa 3 g fein geschnittenes Haferkraut, das mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen wird. Nach dem Erkalten abseihen. Haferstroh wird meist in Form von Badezusätzen angewendet. Dazu werden etwa 100 g davon auf ein Vollbad gegeben.


Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittel-chemiker
Ostlandstr. 53a, 50859 Köln,
Tel.: 02234-9878810 - Fax: 02234-9878813
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   Internet: www.fhherfurth.de