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Schönheitsformel „BOTOX“

Schönheitsformel „BOTOX“

Alles über das süchtig machende Nervengift, das Falten „wegzaubert“

Immer mehr junge Frauen tragen Botox im Gesicht. Die neuesten Zahlen schockieren: 2011 wurden über 20.000 Botox-Behandlungen an Amerikanerinnen zwischen 13 und 19 Jahren durchgeführt.

Der Schönheitswahn startet schon früh und wird in den Staaten von vielen Eltern gefördert. Nicht selten wird der Tochter zum 16. Geburtstag ein „nose job“ (Nasenkorrektur) geschenkt, zum 21. ein „boob job“ (Brustvergrößerung).
Schönheits-OPs an Kindern sind in Ländern wie Amerika oder England nicht verboten, was leider dazu führt, dass viele Sprösslinge von ihren Eltern zu derartigen Eingriffen gezwungen oder verführt werden. Das Kind soll ja später mal ein Superstar werden und Millionen verdienen.

Beispiel Botox-Mutti

Das ist auch der Hintergedanke der weltweit bekannt gewordenen „Botox-Mutti“ aus England, die ihrer 8-jährigen Tochter regelmäßig Botox spritzt, „damit sie nicht altert und ihr Babyface behält“. Das kleine Mädchen wurde von ihr dermaßen manipuliert, dass sie nun schon selbst „jeden Abend nach Falten sucht und Mami darum bittet, wieder eine Spritze zu setzen“. Unfassbar.
Was ist Botox und wie wirkt es?

Botox ist ein aus Bakterien gewonnenes Nervengift, das die Erregungsübertragung der Nervenzellen an den Muskel hemmt, folglich erschlafft dieser. Botox wird gezielt in den Muskel gespritzt. Als Folge der Muskelentspannung glätten sich die Falten oder verschwinden vollständig.

 

Historie

Erstmals wurde Botox in der Medizin vor 20 Jahren eingesetzt. Das Gift ist aktuell weltweit für die Behandlung von 16 Krankheitsbildern zugelassen, u.a. bei Spastiken, Schlaganfällen, neurologisch bedingten Bewegungsstörungen, Kieferschmerzen, Muskelverspannungen, Schielen und Migräne.

Moderne
Seit einigen Jahren und im Zuge der Schönheitswahn-Bewegung wird Botox aber immer häufiger zum Zwecke des Jungbleibens eingesetzt. Falten sollen damit verschwinden, das Gesicht soll jung bleiben. Die Medien suggerieren uns „Wer gut aussieht, ist beruflich erfolgreich, beliebt und hat viele sozialen Kontakte“. Der gesellschaftliche Druck, schön zu sein, wächst. Also muss künstlich nachgeholfen werden: mit Botox.

 

Im Trend: Falten-Wegspritz-Kuren

Botox (Botulinumtoxin) hat die Fähigkeit, Falten zu reduzieren oder sogar ganz verschwinden zu lassen. Typische Einsatzstellen sind die Falten um die Augen und an der Stirn, aber auch andere Körperpartien werden immer beliebter. Doch bedeutet beliebt auch gesund? Das „Wundermittel“ hat kein Risiko, behauptet Matthias Gensior, Generalsekretär der Gesellschaft für ästhetische Chirurgie (GÄCD), „es gibt keine ungefährlichere Therapie als die Botulinumtherapie“. Und diesem Ruf folgen immer mehr Menschen: 2010 ließen – nach einer hochgerechneten Mitgliederbefragung der GÄCD – über 70.000 Menschen ihre Falten mit Botox behandeln. Insgesamt zählte die GÄCD 2010 über 134.000 Faltenbehandlungen und mehr als 117.000 Schönheits-OPs, was zeigt, dass solche Eingriffe bei weitem keine Randerscheinung mehr in Deutschland sind, sondern Alltag.

 

Gefahrenseite: Botox-Opfer

So schön sich das auch anhört, „Falten verschwinden, Jugend und Schönheit bleiben erhalten“, so oberflächlich ist diese Aussage aber auch. Schaut man sich „Botox-Opfer“ an, wird einem schlecht. Jahrelanger Botox-Konsum hinterlässt Spuren. Prominente Fallbeispiele gibt es zur Genüge:

Fall 1: Nicole Kidman, Schauspielerin. Die Australierin und Oscar-Gewinnerin für ihre Rolle als Virginia Woolf in „The Hours“ (2003) legte ihr Gesicht mit Botox lahm. Folge: Ihre Karriere stagnierte, sie erhält bis heute keine großen Rollen mehr. Die Produzenten wollen sie nicht mehr haben, da ihre Mimik durch Botox eingefroren ist. Eine aalglatte Gesichtshaut hat sie, wahrlich ohne Falten, aber leider auch ohne Emotion. Für ihre Rolle im Musical „Nine“ an der Seite von Penélope Cruz erhielt sie vernichtende Kritiken, es wurde von einer „steifen Darstellung“ gesprochen. Von der einst so gefeierten und natürlichen Schauspielerin ist nicht mehr viel übrig.

Fall 2: Carla Bruni-Sarkozy, Ehefrau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Als sie sich vor wenigen Wochen nach längerer Medienabwesenheit wieder in der Öffentlichkeit zeigte, war sie kaum wiederzuerkennen. „Zur Maske erstarrt“ titelte eine große französische Tageszeitung, ein amerikanischer Dermatologe meinte, sie sähe aus wie ein „Chipmunk“.

Fall 3: Dannii Minogue, jüngere Schwester der Pop-Legende Kylie Minogue. Sie outete sich, jahrelang botoxabhängig gewesen zu sein, weil sie mit sich und ihrem Leben nicht mehr klar kam. Auslöser für ihre Depressionen war laut eigener Aussage die Krebserkrankung ihrer Schwester gewesen. „Als dann auch noch ein guter Freund starb, wurde ich wie von einer Welle überrollt, die psychische Belastung war nicht mehr zu ertragen“, schildert Minogue heute. Sie konnte ihr eigenes Gesicht nicht mehr im Spiegel sehen und verfiel dem Botox.

 

Hohes Suchtpotenzial

Botox macht zwar nicht körperlich abhängig, aber psychisch! Wer dem Schönheitswahn verfällt, kann das Altern nicht ertragen und wird immer mehr dafür tun, schön und jung auszusehen. Und wenn das mit normalen Mitteln nicht mehr möglich ist, wird der Botox-Arzt kontaktiert. Britische Mediziner haben herausgefunden, dass über 40 % der Menschen in Behandlung mit Botox ein zwanghaftes Verlangen nach weiteren Therapien entwickelten. An Nebenwirkungen und Spätfolgen wird hier nicht gedacht, es zählt das Hier und Jetzt, der Moment, der Blick in den Spiegel, und der muss passen.

 

Botox-Flatrates

Da der Körper nach ca. vier Monaten die Substanz wieder abbaut, muss ständig nachgespritzt werden. Doch das ist in der Regel ganz schön teuer: 300 bis 400 Euro pro Behandlung sollte man für die temporäre Faltenfreiheit einplanen. Zu teuer für viele, daher bieten immer mehr Kliniken „Botox-Flatrates“ an. Gegen eine monatliche Grundgebühr von 39 bis 99 Euro (je nach Anzahl der Problemzonen) können sich Kunden das „Zaubermittel“ immer wieder spritzen lassen. Das Ziel ist klar: Stammkunden gewinnen und Neukunden anlocken! Für seriöse Mediziner ist dieses Konzept ein klarer Verstoß gegen die Gebührenverordnung für Ärzte.
Mit solch einem verlockenden Flatrate-Angebot steigt auch die Suchtgefahr! Dauerkonsumenten haben das Gefühl, „ohne die Spritzen nicht mehr leben zu können“, bestätigt Prof. Hans-Günther Machens, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am Klinikum Rechts der Isar in München.

 

Risiken

Jede Botox-Behandlung birgt ein gewisses Risiko. Überdosierungen an den Augen können zu Lähmungen und verschwommenem Sehen führen. Dauerhafte Gesichtslähmungen können entstehen. „Wenn das Botox in den falschen Halsmuskel gespritzt wird, kann es die Atemmuskulatur beeinflussen oder Schluckstörungen hervorrufen; das kann so weit gehen, dass die Atemmuskulatur gelähmt wird und der Patient keine Luft mehr bekommt“, betont Dr. Ahmmed-Ziah Taufig, Plastischer Chirurg aus Köln. Lebensgefahr also.

 

Botox-Partys

Auch dubiose Botox-Partys sind hierzulande stark im Kommen. In Amerika sind sie schon lange Trend. Bei diesen treffen sich (meist) Frauen privat mit einem Mediziner oder gar selbsternannten „Mediziner“, der ihnen das Wundermittel ins Gesicht injiziert. Hausparty und chirurgischer Eingriff werden einfach kombiniert, natürlich darf der Sekt dabei nicht fehlen. Die seriöse Medizin lehnt diese Auswüchse strikt ab. „Bei solchen Veranstaltungen mit Alkoholverzehr sind weder Arzt und Kosmetikerin noch der Ort auf einen Notfall, wie bspw. eine allergische Reaktion, vorbereitet“, warnt Dr. Ahmmed-Ziag Taufig.

 

Info

Ärzte raten, eine Behandlung mit Botox höchstens alle sechs Monate und nur durch Fachärzte durchführen zu lassen. Regelmäßige Botox-Anwendungen, die länger als ein Jahr dauern, können sogar zu vermehrter Faltenbildung führen, also genau das Gegenteil vom angestrebten Ziel bewirken. Das Gift legt zwar die Muskeln lahm, die etwa beim Lachen oder Blinzeln im Gesicht Falten entstehen lassen, doch das Minenspiel weicht automatisch auf andere, oft nahe gelegenen Muskeln aus. Folge: Entstehung neuer Falten an anderen Stellen. So gerät man schnell in einen Botox-Teufelskreislauf, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

 

Fazit

Das Älterwerden gehört zum Leben, wir werden geboren, altern und sterben irgendwann, das ist der normale und nicht veränderbare Lauf. Diesen im großen Stil auszutricksen ist nicht möglich. Und wenn wir ein wenig schummeln, sollten wir immer bedenken, was für einen Preis wir dafür bezahlen und welche Risiken und Nebenwirkungen wir dafür in Kauf nehmen.

Wollen Sie als „Maskengesicht“ enden? Wollen Sie keine mimisch erkennbaren Gefühlsreaktionen mehr im Gesicht haben? Wollen Sie Botox-Junkie werden? Diese Fragen sollte man überdenken, bevor man den Weg zum Botox-Arzt geht. Letzten Endes ist es jedem selbst überlassen, zu entscheiden, wie man altern möchte, natürlich oder künstlich, um mit seinem Real-Selbst (Ist-Zustand, Blick in den Spiegel) klar zu kommen.

Das Nervengift Botox ist auf den ersten Blick vielleicht verführerisch und erscheint „die“ Lösung für längeres Jung- und Schönbleiben zu sein, doch in all seiner Konsequenz und unter Beachtung der zahlreichen Nebenwirkungen, Risiken und teils noch nicht erforschten Folgeschäden sollte klug abgewogen werden, ob man es wirklich nötig hat, sein optisches Alter chirurgisch aufbessern zu lassen. Doch Botox-Freaks sind längst taub auf beiden Ohren für Warnungen und sachliche Betrachtung der Thematik, sie warten schon ungeduldig auf den nächsten Termin bei Onkel Botox und ergötzen sich an ihrem zwar faltenärmeren, aber dafür gelähmten und künstlichen Maskengesicht. Wem´s gefällt …

 

 

Abbas Schirmohammadi
Heilpraktiker für Psychotherapie, Suchttherapeut
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