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Apitherapie – Bienenprodukte im Einsatz in der Heilpraktiker-Praxis

Apitherapie – Bienenprodukte im Einsatz in der Heilpraktiker-Praxis

Apitherapie kommt von Apis = Honigbiene und therapeua = gr.: behandeln und ist eine Therapieform mit Honig, Blütenpollen,Propolis, Bienenwachs, Gelee Royal, Bienengift, Bienenstockluft und Apilarnil. Vielen Menschen, selbst Ärzten und Heilpraktikern, ist heute die Behandlungsmethode mit Bienenprodukten unbekannt. Das war nicht immer so: Vor dem 2. Weltkrieg therapierten viele deutsche Ärzte ihre Patienten mit Bienenprodukten, vorwiegend mit Honig und Bienengift, sehr erfolgreich.

Die Geschichte der Apitherapie beginnt in grauer Vorzeit, in den Kindertagen der Menschheit. Seit dieser Zeit begleitet uns die Honigbiene, „Apis Mellifera“. Ohne ihre Blütenbe - stäubung würden wir keine Früchte bekommen, unsere Nahrung wäre längst nicht so reichhaltig. Forschungen berichten darüber, dass wir Menschen ohne die Bienen nur noch wenige Jahre zu leben hätten.

Die Honigbiene gehört zu den Staaten bildenden Insekten und ist das einzige von 150.000 Insektenarten, das dem Menschen so vielseitig Nutzen bringt. Der erste Kontakt mit einem Bienenstich war wohl sehr schmerzhaft, aber unsere Vorfahren haben bemerkt, dass sich ihr Allgemeinbefinden deutlich verbesserte, wenn sie Waben mit Honig aßen. Diese Tatsache war der Beginn der Apitherapie. Bienen bevölkern schon seit über 50 Millionen Jahren die Erde, wie man aus Bernsteinfunden weiß. Vor 40.000 Jahren entdeckten unsere Vorfahren das Feuer, und wenig später Honig als Nahrung, den sie den Bienen unter schwersten Bedingungen raubten. Die Blütezeit der Apitherapie begann aber erst vor 6.000 Jahren mit den Indianern, die die Bienenprodukte Honig und Propolis zur Heilung von Wunden einsetzten. Vor 4.000 Jahren waren es die Ägypter, die in ihrer Medizin in großem Maße Bienenprodukte zu Heilzwecken bei Leber- und Gallenblasenleiden und ihre Pharaonen mit Propolis und Honig gegen die einsetzende Verwesung konservierten. Andere Völker wie die Sumerer, Hethiter, Chinesen, Griechen u.a. heilten mit Honig vorwiegend innere Krankheiten. Die Urväter der modernen Medizin (Hippokrates, Galen, Paracelsus, Hildegard von Bingen etc.) sowie bekannte Philosophen (Plinius, Aristoteles etc.) behandelten mit Honig, Propolis und Bienengift. Hahnemann verwendete die Biene (Apis) und ihr Gift (Apisinum) in der Homöopathie.

Mit der Entdeckung des Penicillins durch den englischen Bakteriologen Dr. Flemming, und den den erfolgreichen Behandlungen mit Penicillin im 2. Weltkrieg verschwanden nach und nach die Produkte und das Wissen über die Therapiemöglichkeiten mit Bienenprodukten aus den meisten Arztpraxen in Deutschland. Chemische Medikamente nahmen ihren Platz ein. In Ländern wie Russland, Bulgarien, Rumänien, Amerika, Tunesien, Japan und Brasilien u.a. wurde an den Bienenprodukten weitergeforscht und man behandelt damit in Verbindung mit der Phytotherapie viele Menschen erfolgreich und ohne Nebenwirkungen.

In den letzten Jahren begann auch in Deutschland die Behandlung mit Bienenprodukten wieder ganz allmählich an Boden zu gewinnen, besonders die Bonner Kinderklinik forscht intensiv an Behandlungsmöglichkeiten mit medizinischem Honig. Andere Wissenschaftler, wie z.B. Dr. Diaz Carballo von der Universität Bochum/Dortmund, forschen an der Propolis, dem Kittharz aus dem Bienenstock, zur Behandlung von Tumoren bei Kindern und Erwachsenen.

Bei all der Polemik über die Kostenexplosion in unserem Gesundheitswesen verwundert es doch sehr, dass man diesen wunderbaren Substanzen wie Honig, Pollen, Bienengift, Gelee Royal, Wachs, Apilarnil und Stockluft so wenig Beachtung schenkt. Diese Produkte würden die Kosten im Gesundheitswesen stark reduzieren, da es sich um kostengünstige, leicht zu beschaffende, natürliche Heilmittel und hervorragende Nahrungs - ergänzungsstoffe handelt.

Die Biene stellt Honig z.B. aus dem Nektar der Blüten und den Blüten der Frucht tragender Bäume her, aber auch von den Exkreten der Blattläuse, Schildläuse, Schnabelkerfe etc. sammelt die Biene die Flüssigkeiten und verwandelt sie in für uns wohl schmeckenden Honig. So kommen viele Inhaltstoffe der Pflanzen in den Honig, der bei z.B. Erkrankungen des Nasen- Rachenraumes, der Leber, bei Gallenerkrankungen, Herzerkrankungen, schlecht heilenden Wunden, Magen- und Darmstörungen, Hyperaktivität u.v.m. eingesetzt werden kann.

Honig ist ein idealer Energiespender für Sportler und diejenigen, die besonders viel Leistung erbringen müssen. Honig wirkt Bakterien tötend, antiseptisch, Zell erneuernd und Wundheilung fördernd. Äußerlich angewandt, als Honigmassage, wirkt er über die Head’schen Zonen als ein ideales Ausleitungsverfahren, belebt, vitalisiert und entlastet den ganzen Körper. Honig ist auch ein hervorragendes Hautpflegemittel und ein idealer Konservierungsstoff für Pollen, Gelee Royal alle anderen Bienenprodukte.

Blütenpollen, der männliche Teil der Trachtpflanze, ist ein Kraftpaket, das alle Vitamine, Spurenelemente und hochwertige essentielle Aminosäuren enthält, die unser Körper braucht, um gesund und leistungsfähig zu sein. Pollen helfen bei Immunschwäche, Lebererkrankungen, Sehschwä - che, Stoffwechselerkrankungen, Leistungs - schwäche, Appetitlosigkeit u.v.m. Schnell heranwachsenden Kindern, kranken und alten Menschen geben die Blütenpollen Spurenelemente und essentielle Aminosäu - ren zum Aufbau und zur Gesunderhaltung des Körpers.

Bienenwachs – mit seinen ätherischen und balsamischen Inhaltsstoffen – verwende ich in meiner Praxis zur lokalen Behandlung bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates, in Form von Auflagen und in Verbindung mit Wärme. Bienenwachs findet in Ohrenkerzen (z.B. Hopiohrkerzen) zur Ohrreflexzonenbehandlung oder als Körperkerzen zur Behandlung von Triggerpunkten Verwendung. Bienenwachs setzt man heute umfangreich in der kosmetischen Industrie zur Herstellung von Cremes und Salben als Konsistenzgeber ein.

Propolis (gr.: vor der Stadt) wird von Bienen von den Harzen der Bäume und Knospen gesammelt, veredelt und zum Desinfizieren und Abdichten des Bienenstocks verwendet.

Im menschlichen Körper wirkt es antibakteriell, besonders gegen Bakterien wie Helicobacter, Staphylokokken, Streptokokken und Salmonellen. Ich setze Propolis bei vielen Erkrankungen des Nasen-Rachenraumes und bei Magengeschwüren ein. Durch Arthritis verursachte Gelenkentzündungen können sehr gut mit Propolis behandelt werden, da Propolis eines der stärksten natürlichen Schmerzmittel ist und gleichzeitig entzündungshemmend wirkt.

Besonders interessant ist der Einsatz in der Zahnheilkunde. Sie verhindert Parodontose und Karies und kann lockere Zähne wieder stabilisieren. Propolis wirkt auf die Blutgefäße abdichtend und Gefäßwand stärkend, so dass sie bei Menschen mit Hämatomneigung eine große Hilfe sein kann. Propolis hat auch eine starke antivirale Wirkung und wirkt heilungsfördernd bei allen Erkrankungen, die durch Viren verursacht werden.

Neuste Erkenntnisse in der Tumorforschung zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Krebsbildung. In Japan wird zurzeit Artepellin C aus der grünen Propolis in der Onkologie mit erfolgversprechendem Ergebnis eingesetzt. Die Propolis hat eine stark antibiotische Wirkung, bildet jedoch keine Resistenzen, was bei vielen der heutigen Antibiotika der Fall ist.

Bienengift in der Apitherapie ist ein hervorragendes Mittel zur Behandlung chronischer und akuter Schmerzen, bei allen Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises und des Bewegungsapparates. Es fördert die Durchblutung und löst Blockaden. Bienengift kann man einsetzen bei Ischialgien und Neuralgien, da seine Wirkstoffe Schmerz lindernd sind und Entzündungen entgegen wirken. Neuste Forschungen an Multiple Sklerose Erkrankten zeigen eine deutliche Verbesserung des Allgemeinzustandes.

Gelee Royal ist ein Produkt, das man vorwiegend aus der Kosmetik kennt. Bei innerer Anwendung ist Gelee Royal ein hervorragendes Therapeutikum, da es – wie kein anderes Bienenprodukt – das Immunsystem stärkt und stabilisiert. Es wirkt bei allen Erkrankungen, die mit starker körperlicher Schwächung einhergehen. An Tumor Erkrankten sollte es erst nach Abschluss der Chemotherapie / Strahlentherapie eingesetzt werden, da es eine sehr starke zeller - neuernde Wirkung hat.

In Österreich wird seit einigen Jahren Bienenstockluft zur Behandlung von Asthmatikern mit großem Erfolg einsetzt.

Aber auch Apilarnil, ein Produkt aus gefriergetrockneten Drohnenlarven, setze ich vorwiegend wegen des hohen Testosteronanteils bei Männern zur Vitalisierung und Stärkung des Immunsystems ein. Aber auch bei Frauen hat es eine stärkende, immun- stimulierende Wirkung. 

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Indikationsliste für Bienenprodukte

Produkt Erkrankungen
Honig, innerlich

Energiemangel, Herzschwäche, koronare Durchblutungs-störungen, Heuschnupfen, Verdauungsstörungen, Nervosität

Honig, äußerlich

wird eingesetzt als Honigmassage (Entlastungsmassage) und zur Wundheilung (MRSA)

Pollen

Darmerkrankungen, Mangelernährung, Zerebralsklerose, Leberschäden, Burnout, Konzentrationstörungen, Leber-zirrhose, Anämie, Eiweißstoffwechselstörungen, überhöhter Cholesterinspiegel, Strahlenschäden, Allergien

Propolis

Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, allergische Bronchitis, Akne, virale Erkrankungen (Herpes labiales, Herpes vaginales) Nagelpilz, Entzündungen im Mund, Hämorrhoiden, Magengeschwüre (Helicobacter pyl.), Erkältungskrankheiten, Tumorerkrankungen (Neuroblastom, Prostataca)

Wachs

als Auflagen bei Erkältungskrankheiten, bei Erkrankungen des degenerativen und rheumatischen Formenkreise, Erkran-kungen des Magendarmtraktes; als Wachs zum Kauen bei Heuschnupfen und bei Erkältungskrankheiten; als Ohren-kerzen bei Unruhezuständen und Ohrenschmerzen; als Körperkerzen zur Stimulierung der Körperakupunkturpunkte

Bienengift

Homöopathisch bei Erkrankungen der Haut, Herz, Augen, Tonsillen; als intrakutan Injektion bei Warzen, Gürtelrose, Erkrankungen des degenerativen und rheumatischen Formenkreises, Fibromyalgie

Gelee Royal

Unfruchtbarkeit, Wechseljahresbeschwerden, Immun-abwehrschwäche, rheumatische Arthritis, chronisches Erschöpfungssyndrom, Hormonmangel, Arteriosklerose, Atemwegserkrankungen

Apilarnil

Erschöpfungszustände, Stoffwechselstörungen, Immun-abwehrschwäche, Störungen des neurovegetativen Systems, Potenzstörungen, Funktionsstörungen des endokrinen Systems

Bienenstockluft Atemwegserkrankungen

 


Text: Herbert Albersmann - Heilpraktiker