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Gemeine Wegwarte

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Die Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte, auch Zichorie (von lateinisch cichorea) genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wächst in Mitteleuropa häufig an Wegrändern. Kulturformen sind Chicorée, Zuckerhut (Fleischkraut), Radicchio, Schnittzichorie und Wurzelzichorie.

 

Unter dem Namen "Chicory" ist die Wegwarte auch eine der Bachblüten. Die Gewöhnliche Wegwarte stammt ursprünglich aus Europa, Westasien und Nordwestafrika. Sie wurde aber auch im restlichen Afrika sowie in Nord- und Südamerika eingeschleppt. In Mitteleuropa wächst sie auf Weiden und Äckern. Entlang von Wegen und Straßen kommt sie charakteristischerweise in Wegrand- und Trittpflanzengesellschaften vor. Die Pflanze wächst bis in Höhen von 1500 m. Cichorium ist die lateinische Version des griechischen Namens κιχώριον für Zichorie, Wegwarte, Endivie. Dieses altgriechische Wort kommt vermutlich aus dem Ägyptischen. Die Wegwarte und die Endivie wurden nach Plinius zuerst in Ägypten als Heil- und Salatpflanzen kultiviert. Im Jahr 2020 ist die Gemeine Wegwarte vom NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres gekürt worden. Zuvor war sie bereits 2005 „Gemüse des Jahres“ und 2009 „Blume des Jahres“.


Woran erkennt man die Gemeine Wegwarte

Es handelt sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 30 bis 140 cm. Sie verfügt über eine tiefreichende Pfahlwurzel. Die Stängel stehen sparrig-ästig. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind schrotsägeförmig fiederschnittig, die Unterseite ist borstig behaart. Die Grundblätter haben eine Länge von 8 bis 25 cm und eine Breite von 1 bis 7 cm. Die oberen Stängelblätter sind länglich-lanzettlich und fiederspaltig bis ungeteilt.

Wie wirkt die Gemeine Wegwarte

Die Pflanzenart wird spätestens seit dem Mittelalter zur Arzneimittelherstellung genutzt. Paracelsus hat sie bereits als schweißtreibend empfohlen. Pfarrer Kneipp hat sie bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen angewandt. Sie wird daher in der Pflanzenheilkunde zur Stimulierung und zur Heilung von Milz, Leber und Galle eingesetzt. En weiterer Anwendungsbereich ist die allgemeine Reinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen. Schon Tabernaemontanus (deutscher Arzt und Apotheker im16. Jahrhundert) schrieb: "Thut Widerstand aller Vergiftung". Tatsächlich haben früher die Bergarbeiter die entgiftende Wirkung genutzt, um Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten. Dazu haben sie regelmäßige Teekuren durchgeführt. In unserer heutigen Zeit kann sie zum Beispiel dazu dienen, Pestizide auszuleiten.
Die Wegwarte hilft aber auch bei Gicht, rheumatischen Beschwerden oder einer schwachen Milz.

Bei Augenentzündungen helfen Kompressen, die mit einem Tee aus Wegwartegetränkt wurden und die auf die geschlossenen Augen auflegt werden.

In der ayurvedischen Medizin wird die Wegwarte als Arzneimittel für die Leber verwendet, meist in Kombination mit Schwarzem Nachtschatten, Senna und Schafgarbe.

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für die Gemeine Wegwarte

  • adstringierend
  • anregend
  • blutreinigend
  • entzündungshemmend
  • beruhigend
  • abführend
  • psychorelaxierend
  • Gallensteine
  • Gallenschwäche
  • Verdauungsschwäche
  • Verstopfung
  • Leberprobleme
  • Leberschwellung
  • Pfortaderstauung
  • Milzschwellung
  • Hämorrhoiden
  • Krampfadern
  • Stoffwechselschwäche
  • Diabetes
  • Kopfschmerzen
  • Geschwüre
  • Hautunreinheiten
  • Haarausfall
  • Gebärmutterschwäche
  • Afterjucken

    Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit einem Arzt anzuwenden.

Gerhard Madaus schrieb 1938 zusammenfassend: "Wegen seiner umfassenden Wirksamkeit und Zuverlässigkeit wird Cichorium ... zu den wichtigsten Pflanzenheilmitteln gezählt".


Welche Wirkstoffe sind in der Gemeinen Wegwarte enthalten?

In den Blättern und der Wurzel sind Bitterstoffe, Intybin, Zucker, Harz, Kaliumsalze, Cichoriin, Gerbsäure, ätherisches Öl, Mannan, Petein, Lacoulin, Lactucopikrin (s. Formel), Isochlorogensäure, Apigenin, Apigenin-7-O-L-arabinosid, Luteolin-7-O-glucosid, Quercitrin, Hyperosid, Aesculetin, Aesculin, Umbelliferon, Scopoletin und 6,7-Dihydroxycumarin enthalten. Die Wurzel enthält größere Mengen an Inulin.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Verwendet werden die getrockneten Blätter und Wurzeln Folia et Radix Cichorii (Folia et Radix Intybi, Cichorienblätter, Gemeine Wegwartenblätter und Wurzeln, Zichorienblätter und Wurzeln) Als separate Droge wird auch die getrocknete Wurzel (Radix Cichorii, Radix Intybi) verwendet. Sie ist wegen des hohen Inulingehaltes auch als Nahrungsergänzung für Diabetiker geeignet.

Verschiedenes
Neben dem Einsatz als Arzneimittel hat die Gemeine Wegwarte in einigen Variationen Eingang in die allgemeine Ernährung gefunden. 

Wurzelzichorie
Die Wurzelzichorie wurde geröstet und dem Bohnenkaffee zugesetzt, um ihm mehr Farbe und Bitterkeit zu verleihen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie auch allein als „Ersatzkaffee“ verwendet. Als Erfinder des Zichorienkaffees (Muckefuck) gelten Christian von Heine aus Holzminden und Christian Gottlieb Förster, die um 1769/70 Konzessionen für den Betrieb von Zichorienfabriken erhielten. Gefördert wurde der Anbau u. a. durch Friedrich den Großen. Das bekannteste Handelsprodukt mit einem Anteil an Wurzelzichorie unter seinen Inhaltsstoffen ist Caro-Kaffee.

Chicorée/Salatzichorie/Radicchio
Die Salatzichorie wird als Lebensmittel in der Küche verwendet. Sie ist eine „Erfindung“ des 19. Jahrhunderts. Die ersten Chicoréesprossen zog 1846 der Chefgartenbauer des Botanischen Gartens in Brüssel. Die Sprossen wuchsen lichtdicht verhüllt und entwickelten dadurch so wenig wie möglich Bitterstoffe.
Eine andere Version führt diese Art des Treibens auf eine zufällige Beobachtung durch belgische Bauern 1870 zurück. Sie sollen ihre Zichorienwurzeln infolge ungewöhnlich hoher Ernte im Gewächshaus eingeschlagen haben und entdeckten während des Winters die kräftigen Knospen.
Als Salat werden nur die Sprösslinge genutzt. Die Wurzeln werden im November eingegraben und abgedeckt. Im Winter treiben dann aus den Achseln der eingekürzten Blätter und aus den endständigen Knospen 15 bis 20 cm lange und bis 5 cm dicke Knospen aus, die durch den Lichtschutz bleich und zart sind. Sie werden als Salat oder Gemüse zubereitet.

 

 


Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a
50859 Köln

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