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Hyperthyreose: Gute Therapie-Chancen trotz komplexem Krankheitsbild

Hyperthyreose: Gute Therapie-Chancen trotz komplexem Krankheitsbild

Die Hyperthyreose stellt eine weit verbreitete Fehlfunktion der Schilddrüse (Thyroidea) dar, bei der diese u.a. zu viel Thyroxin (T3) und Trijodthyronin (T4) ausschüttet. Diese beiden – in Kombination auch als „Peitsche des Organismus“ bezeichneten –Schilddrüsenhormone steigern die Aktivität des Stoffwechsels. Wird indes zu viel T3/T4 ausgeschüttet, führt dies zu überwiegend logisch ableitbaren Symptomen wie Unruhe, Herzklopfen oder Schlaflosigkeit.

Kein Wunder also, dass sich so mancher Heilpraktikeranwärter über eine entsprechende Frage in der mündlichen Prüfung freut. Zumal sich die Hypothyreose in vielerlei Hinsicht spiegelverkehrt verhält wie die Hyperthyreose, was ebenfalls leicht zu merken und zu verstehen ist. Dennoch sollten Therapeuten genauer hinschauen. So können zum Beispiel sowohl Über- als auch Unterfunktion zu einem Kropf (Struma) führen.

Während die Hypothyreose meist ärztlich via Thyroxingabe behandelt wird, habe ich in meiner Praxis eher mit Hyperthyreosen zu tun. Die Therapie läuft dabei meist auf eine spagyrisch-homöopathische Medikation (einhergehend mit Entspannungsmaßnahmen) hinaus.

Um vollumfänglich verstehen zu können, was bei einer Hyper- (bzw. Hypo-)thyreose eigentlich genau passiert, lohnt zunächst ein Blick auf das Organ selbst, das unterhalb des Ringknorpels vor der Luftröhre liegt. Bei einem Gewicht zwischen 20 und 60 Gramm besteht sie aus zwei Lappen mit dem sogenannten Isthmus in der Mitte, wodurch die Form eines Hufeisens entsteht.

Zu ihren Aufgaben zählt die Bildung der Hormone Thyroxin (T3), Trijodthyronin (T4) und Calcitonin. Die Kombination T3/T4 („Peitsche des Organismus“) fördert den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweiß-Abbau, das Wachstum und die Skelettreife, die Entwicklung des Gehirns und die Reizempfindlichkeit des Herzens. Das Calcitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse senkt dagegen den Blut-Calcium-Spiegel, indem es die Calcium-Freisetzung aus dem Knochen hemmt und den Calcium-Einbau in die Knochen fördert (Antagonist des Parathormons!).

Um diese wichtigen Aufgaben im menschlichen Organismus erfüllen zu können, benötigt die Schilddrüse das chemische Element Jod (Halogen), gewissermaßen als „Treibstoff“. Stimuliert wird sie dagegen durch das entsprechend titulierte „Thyreoidea-stimulierende Hormon“ (TSH), auch als „Thyreotropin“ oder „Thyreotropes Hormon“ bezeichnet. Dieses wiederum wird jedoch nicht in der Schilddrüse, sondern in den basophilen Zellen des Hypophysen-Vorderlappens gebildet. Arbeitet die Schilddrüse nicht mehr ausreichend bzw. droht dies in naher Zukunft, lässt sich das häufig an einem Anstieg des TSH als erstes Indiz erahnen.

Eine bereits manifestierte Störung zeigt sich dagegen an folgenden Symptomen (Gegenüberstellung siehe Grafik):
Hypothyreose (zu wenig T3/T4): dichtes „Stroh“-Haar, Bradykardie, kühl-trockene Haut, Kälteintoleranz, Obstipation, Hyporeflexie, Hypercholesterinämie, Depression, Muskelkrämpfe, Gewichtszunahme, Schwirren bei Auskultation, Hypotonie, Herzinsuffiziens, Myxödem (v.a. im Gesicht und an den Extremitäten), Karpaltunnelsyndrom usw.

Hyperthyreose (zu viel T3/T4): dünnes Haar, Tachykardie, warm-feuchte Haut, Wärmeintoleranz, Durchfälle, Hyperreflexie, Hypocholesterinämie, Nervosität, Tremor (feinschlägig), Gewichtsabnahme trotz Heißhunger, große RR-Amplitude durch hohe Systole, Osteoporose, brüchige Nägel, Schwitzneigung, subfebrile Temperatur usw.

Zu beachten ist außerdem die Hyperthyreose-Sonderform Morbus Basedow: Eine Autoimmun-Erkrankung, bei der die Schilddrüse gegen sich selbst gerichtete Antikörper („TRAK“) bildet. Diese besetzen die TSH-Rezeptoren und stimulieren so kontinuierlich die Produktion von T3/T4, was neben den bereits aufgeführten Symptomen zur charakteristischen „Merseburger Trias“ führen kann: einer Kombination aus Tachykardie, Exophthalmus und Struma.

(Stichwort Struma: vor allem unter Frauen weit verbreitete endokrine Erkrankung sowie nicht-entzündliche gutartige Vergrößerung der Schilddrüse mit erhöhter, verminderter oder normaler T3-/T4-Produktion, die sowohl bei Hyper- als auch Hypothyreose auftreten kann und die Gefahr einer Dyspnoe durch Raumforderung birgt.)

Da die Behandlung der Hypothyreose unter meinen Patienten meist durch den Arzt erfolgt, möchte ich im Folgenden lediglich kurz skizzieren, wie ich bei einer eindeutig diagnostizierten Hyperthyreose in der Regel vorgehe. Zunächst einmal möchte ich dazu kurz einige spagyrisch-komplexhomöopathische Medikamente vorstellen, die ich entweder einzeln, häufig aber auch miteinander kombiniert verschreibe:

  • „Phönix Aspidium spag.“: Es handelt sich um ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Angabe von Anwendungsgebieten.
    Charakteristik/Hintergrund: Die Leitsubstanz Wurmfarn wird in der Spagyrik dem Saturn zugeordnet, was symbolisch zu verstehen ist. Der Begriff weist auf kühlende, entzündungshemmende und beruhigende Eigenschaften hin. Saturn dämpft überschießende Prozesse bzgl. Drüsen- bzw. Stoffwechselprozessen, Entzündungen oder Spasmen.
    Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Digitalis purpurea Glückselig Dil. D4, Dryopteris filix-mas ex herba rec. Glückselig Dil. D4, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: Zu Beginn der Behandlung in der Regel 4x20 Tropfen täglich. Danach individuell angepasst.
  • „Phönix Argentum spag.“: Es handelt sich um ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Angabe von Anwendungsgebieten.
    Charakteristik/Hintergrund: Differenziert betrachtet wird Argentum (Silber) in der Homöopathie auch bei nervöser Erregbarkeit, Hitzewallungen sowie bei Neigung zu nervös bedingter Diarrhoe eingesetzt. Dazu kommt der spagyrische Aspekt, wonach Silber dem Mond zugeordnet wird und daher u.a. gegen Nervosität sowie Konzentrations- und Schlafstörungen helfen soll.
    Inhaltsstoffe: Argentum nitricum Dil. D5, Cuprum sulfuricum et Sulfur et Tartarus depuratus (1:1:1) spag. Glückselig Ø, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: Zu Beginn der Behandlung in der Regel 4x20 Tropfen täglich. Danach individuell angepasst.
  • „Phönix Valeriana spag.“: Es handelt sich um ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Angabe von Anwendungsgebieten.
    Charakteristik/Hintergrund: Wie der Name bereits vermuten lässt, dient das Mittel insbesondere zur Linderung von Schlafstörungen mit Unruhe und nervösen Störungen, daneben zur Behandlung von Hypertonie sowie nervösen Herzleiden. Leitsubstanz ist Baldrian (Valeriana officinalis), das in der Homöopathie als mildes Sedativum und Spasmolytikum gilt. Die Zubereitung, die zur Herstellung der Phönix-Spagyrika Verwendung findet, ist nach Phönix-Firmengründer Conrad Johann Glückselig benannt und trägt die Bezeichnung Valeriana officinalis Ø Glückselig (HAB, Vorschrift 54c).
    Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Digitalis purpurea Glückselig Dil. D4, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Plumbum aceticum spag. Glückselig Dil. D4, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Tartarus depuratus spag. Glückselig Ø, Valeriana officinalis Glückselig Ø.
    Dosierung: Zu Beginn der Behandlung in der Regel 4x20 Tropfen täglich. Danach individuell angepasst.
  • „Phönix Zincum spag.“: Es handelt sich um ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Angabe von Anwendungsgebieten.
    Charakteristik/Hintergrund: Bei diesem Medikament dient Zink (Zincum metallicum) als homöopathische Leitsubstanz: Ein essentielles Spurenelement, das als Aktivator zahlreicher Enzyme gilt, die Teilung der mit spezifischen Antikörpern besetzten B-Zellen sowie die Lymphozyten-Ausbildung fördert bzw. beschleunigt und somit unverzichtbar für die humorale und zelluläre Abwehr ist. Im Zusammenhang mit Hyperthyreosen wichtigstes Einsatzgebiet: Schlafstörungen.
    Inhaltsstoffe: Arnica montana e floribus sicc. Glückselig Dil. D2, Atropa bella-donna e foliis rec. Glückselig Dil. D4, Aurum chloratum Dil. D5, Bolus alba spag. Glückselig Ø, Camphora Dil. D3, Cuprum sulfuricum Dil. D4, Hydrargyrum bichloratum spag. Glückselig Dil. D6, Paeonia officinalis e floribus sicc. Glückselig Ø, Stibium sulfuratum nigrum Dil. D8, Tartarus depuratus spag. Glückselig Ø, Valeriana officinalis Glückselig Ø, Zincum metallicum Dil. D8.
    Dosierung: Zu Beginn der Behandlung in der Regel 4x20 Tropfen täglich. Danach individuell angepasst.

Daneben empfehle ich meinen Patienten für die ersten 4 bis 8 Wochen der Gesamttherapie jeweils 1 bis 2 Ohrkerzen-Behandlungen: normalerweise eher eine Wärme- und Druckausgleichstherapie für den äußeren Gehörgang, den lymphatischen Rachenring sowie Teile des retikuloendothelialen Systems. Daneben wirkt eine Ohrkerzen-Behandlung – wozu ich entweder „BeeHannah“-Ohrkerzen oder „Aura Vital“-Ohrkerzen von Biosun verwende –
jedoch auch entspannend und beruhigend auf Herz, Atmung und Bauchorgane.

Vor der konkreten Durchführung sollte der Heilpraktiker dabei vorab folgendes beachten:
Der Behandlungsraum muss frei von Zugluft, der Nacken- und Schulterbereich des Patienten mit einem Tuch abgedeckt sein. Damit die Ohrkerze gegen Ende der Sitzung sicher gelöscht werden kann, sollte außerdem ein Gefäß mit Wasser bereitstehen.
Wichtig ist auch, dass eine solche Ohrkerzen-Behandlung in folgenden Fällen kontraindiziert ist: Perforiertes Trommelfell, eitrige oder entzündliche Prozesse sowie Pilzinfektionen im äußeren Gehörgang. In solchen Fällen empfiehlt sich eher das Stechen individuell infrage kommender, tonisierender Akupunkturpunkte – sowie das Erlernen eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training, Qi Gong, Progressive Muskelentspannung, Biofeedback, Yoga usw.) durch den Patienten, was grundsätzlich immer Sinn macht.

Resümee: Stets vorausgesetzt, dass der Ausprägungsgrad der Hyperthyreose kein ärztliches Eingreifen unabdingbar macht, lassen sich mit der skizzierten Vorgehensweise erstaunliche Erfolge erzielen. In meiner Praxis sieht das häufig so aus, dass nach 4 bis 8 Wochen keine Ohrkerzen- bzw. Akupunktur-Sitzungen mehr nötig sind und die Medikamentendosierung in der Regel halbiert werden kann. Dennoch sind diese dauerhaft einzunehmen, da die Hyperthyreose meist nicht ganz behoben, sondern eben „nur“ gelindert wird. Die Patienten wirken dennoch wesentlich ruhiger und ausgeglichener und berichten von einer deutlich verbesserten Lebensqualität.

Aus diesem Grunde sehe ich seit rund fünf Jahren von meiner ursprünglichen neuraltherapeutischen Behandlungsmethode ab, am oberen und unteren Schilddrüsenpol intracutan „Procain 1,0%-Steigerwald“ zu injizieren. Diese hatte zwar auch schon zum ein oder anderen Erfolgserlebnis geführt. Zugegebenermaßen ist mir bei der Variante spagyrisch-medikamentöse Therapie jedoch wesentlich wohler zumute, da ich sie als risikoärmer und nicht weniger wirksam betrachte. (Nichtsdestotrotz arbeite ich auf anderen Feldern nach wie vor gerne neuraltherapeutisch.)

 

Hypothyreose:

Hyperthyreose:

Ursache:

zu wenig T3/T4

zu viel T3/T4

Symptome:

  • dichtes „Stroh“-Haar
  • Bradykardie
  • kühl-trockene Haut
  • Kälteintoleranz
  • Obstipation
  • Hyporeflexie
  • Hypercholesterinämie
  • Depression
  • Muskelkrämpfe
  • Gewichtszunahme
  • Schwirren bei Auskultation
  • Hypotonie
  • Herzinsuffiziens
  • Myxödem (v.a. im Gesicht und an den Extremitäten)
  • Karpaltunnelsyndrom
  • dünnes Haar
  • Tachykardie
  • warm-feuchte Haut
  • Wärmeintoleranz
  • Durchfälle
  • Hyperreflexie
  • Hypocholesterinämie
  • Nervosität
  • Tremor (feinschlägig)
  • Gewichtsabnahme trotz Heißhunger
  • große RR-Amplitude durch hohe Systole
  • Osteoporose
  • brüchige Nägel
  • Schwitzneigung
  • Temperatur subfebril

Differential-Diagnose:

Hashimoto: autoimmune chron. Schilddrüsenentzündung mit ähnlicher Symptomatik

 

©: heilpraktiker-lernskripte.de

 


Literatur/Quellen:

  • Differentialdiagnose innerer Krankheiten, Thieme, Siegenthaler
  • Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker, Sonntag, Krieger

Autor:
Johannes W. Steinbach ist Heilpraktiker, Medizinjournalist, Fachbuchautor und Herausgeber von heilpraktiker-lernskripte.de (www.heilpraktiker-lernskripte.de).

Kontakt:

Naturheilpraxis Steinbach
Schillerstr. 18, 54329 Konz