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Herzneurose: Behandlung auf zwei Ebenen

Herzneurose: Behandlung auf zwei Ebenen

Keine Spinner, sondern leidgeprüfte Zeitgenossen: Wer unter einer Herzneurose leidet, muss sich nicht nur mit ähnlichen Symptomen plagen wie „tatsächlich“ Herzkranke, sondern zudem häufig auch noch mit dem Unverständnis seiner Umgebung. Dass dem so ist, liegt in der Natur der Sache: Schließlich liegen den Beschwerden ja keine nachweisbaren organischen Ursachen zugrunde. Eine Tatsache, die nicht nur schlichte Gemüter schnell überfordern kann, wenn es darum geht, einem Herzneurotiker trotzdem adäquates Verständnis entgegen zu bringen.

Doch auch bei einem solchen Verständnis des Therapeuten, gestaltet sich die Therapie häufig schwierig. Etwa, wenn man dem Patienten erklärt, dass er unter einer Neurose leidet, keine organischen Herzprobleme bestehen und man ihn deshalb auch nicht „am Herz“ behandelt. Viele Patienten zeigen sich diesbezüglich zwar einsichtig, behalten aber einen Restzweifel.
Schlüssel zum Erfolg: Die Kombination einer Therapie auf überwiegend psychisch-seelischer Basis mit einer zumindest prophylaktisch herzstärkenden Behandlung.

Die Angst, an einer bedrohlichen Herzerkrankung zu leiden bzw. einen Herzinfarkt zu bekommen: Kurze Zusammenfassung dessen, worunter ein von einer Herzneurose betroffener Patient leidet. Eine solche Herzneurose wird manchmal auch als Cardiophobie, Herzangst, Herzphobie, Da-Costa- oder Effort-Syndrom bezeichnet. Viele Namen also für ein und dasselbe Problem – was auch nicht gerade zum besseren Verständnis innerhalb der Bevölkerung beiträgt.

Schulmedizinisch betrachtet handelt es sich bei der Herzneurose um eine Variante der Gruppe der hypochondrischen bzw. panischen Störungen; klassifiziert als eine somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems. Ohne dass tatsächlich eine körperliche Grunderkrankung zugrunde liegt, werden betroffene Patienten von elementaren (Todes-)Angstzuständen heimgesucht.

Häufige Folge: Eine Therapeuten-Odyssee, die bei Nichterkennung der Herzneurose in den meisten Fällen keinerlei organische Ursachen einer Herzerkrankung zutage fördert; sprich: Keine eindeutige Diagnose. Doch trotz nachgewiesenem körperlichen Intaktseins kreisen die Gedanken auch weiterhin um die eigene Herztätigkeit. Jeder auch noch so kleine Schmerz in der Brust wird demzufolge als lebensbedrohlich empfunden. Ein Angstdruck, der letztendlich zu „echten“ Symptomen einer „unechten“ bzw. nicht vorhandenen Krankheit führt, wie Herzrasen oder Blutdruck-Schwankungen.

Die Behandlung in meiner Praxis erfolgt häufig auf überwiegend psychisch-seelischer Basis mit einer zumindest prophylaktisch herzstärkenden Behandlung nach folgendem Schema:

Spagyrisch-homöopathische Arzneimittel-Therapie

Zum besseren Verständnis des zugegebenermaßen nicht immer auf die Schnelle nachvollziehbaren Prinzips zunächst ein kurzer Ausflug ins Reich der Spagyrik, die damit arbeitende Therapeuten auch schon mal gerne scherzhaft als „getunte Homöopathie“ bezeichnen. Diese geht davon aus, dass Körper, Geist und Seele des Menschen sich normalerweise in einem gesunden Gleichgewicht zueinander befinden. Des Weiteren geht die Spagyrik davon aus, dass jede Substanz sowohl ein reines gutes als auch ein gegensätzliches feindliches Prinzip beinhaltet.
Das führt schließlich zur „Ars spagyrica“: Der Kunst, bei der Herstellung spagyrischer Pflanzen- und Mineral-Essenzen das Gute vom Bösen, das Grobe vom Feinen, das Geistige vom Materiellen sowie das Heilsame vom Gift zu trennen. Zur Anwendung kommen folgende Verfahren: Destillation, Veraschung, Extraktion, Gärung und Filtration.

Zudem besagt eine therapeutische Erkenntnis der Spagyrik, dass es unter den Menschen sowohl „Ausscheider“ als auch „Sammler“ gibt. Der Ausscheider verfügt demnach über besonders gut funktionierende Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane und erleidet vergleichsweise weniger gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schadstoffe. Beim Sammler mit entsprechend schwachen Entgiftungs- und Ausscheidungsorganen kommt es dagegen schon bei geringer Schadstoff-Belastung zu Gesundheitsschäden. Aus diesem Grunde steht im Zentrum jeglicher spagyrischen Therapie, die wichtigsten Entgiftungsorgane mittels adäquater Arzneimittel anzuregen, um die spezifisch-organische Lebenskraft zu stärken.
Und nun zurück zum konkreten Fall der Behandlung einer Herzneurose in meiner Praxis: Zur Behandlung von Herzneurosen verwende ich in der Regel die Medikamente „Phönix Aurum spag.“, „Phönix Valeriana spag.“ und „Phönix Zincum spag.“ (allesamt in Tropfenform), die ich im Folgenden kurz porträtieren möchte.

  • Phönix Aurum spag.: Wirft man einen Blick auf die enthaltenen Inhaltsstoffe, insbesondere Aurum (Gold), wird schnell klar, dass dieses Mittel normalerweise zur Behandlung organisch bedingter Herzbeschwerden eingesetzt wird. Zum einen verwendet die Homöopathie Aurum u.a. bei Angina pectoris, Herzvergrößerung, Arteriosklerose und Hypertonie. Zum anderen ordnet man Gold gemäß spagyrischer Lesart der Sonne zu, wie im Übrigen auch Herz und Kreislauf. Es wird dementsprechend mit pflanzlichen, herzwirksamen Zubereitungen konjugiert und zur Behandlung von Herzleiden angewandt.

  • Phönix Valeriana spag.: Wie der Name bereits vermuten lässt, dient das Mittel insbesondere zur Linderung von Schlafstörungen mit Unruhe und nervösen Störungen, aber eben auch zur Behandlung von Hypertonie sowie nervösen Herzleiden. Leitsubstanz ist Baldrian (Valeriana officinalis), das in der Homöopathie als mildes Sedativum und Spasmolytikum gilt. Die Zubereitung, die zur Herstellung der Phönix-Spagyrika Verwendung findet, ist nach Phönix-Firmengründer Conrad Johann Glückselig benannt und trägt die Bezeichnung „Valeriana officinalis Ø Glückselig“ (HAB, Vorschrift 54c).
  • Phönix Zincum spag.: Bei diesem Medikament dient Zink (Zincum metallicum) als homöopathische Leitsubstanz: Ein essentielles Spurenelement, das als Aktivator zahlreicher Enzyme gilt, die Teilung der mit spezifischen Antikörpern besetzten B-Zellen sowie die Lymphozyten-Ausbildung fördert und beschleunigt und somit unverzichtbar für die humorale und zelluläre Abwehr ist. Im Zusammenhang mit Herzneurosen wichtigste Einsatzgebiete: Erschöpfungs- und Verstimmungszustände sowie Schlafstörungen.

Bemerkung: Die Dosierung aller drei Medikamente liegt bei 3 bis 4 mal 20 Tropfen pro Tag. Gegenanzeigen: ggf. bestehende Überempfindlichkeit gegen Arnika und andere Korbblütler.

Homöosiniatrie & Akupunktur:

Daneben setze ich auf eine Mischung aus Französischer Ohrakupunktur nach Dr. Paul Nogier sowie Homöosiniatrie, wobei bekanntlich homöopathische Lösungen in speziell dazu passende Akupunkturpunkte injiziert werden. Dazu verwende ich derzeit noch „AP XI N“ von Steigerwald und hoffe, das auch weiterhin tun zu können. Nachdem jedoch viele der altgedienten AP-Injektionspräparate nach der Übernahme von Steigerwald durch Bayer vom Markt verschwunden sind, darf man diesbezüglich allerdings skeptisch sein.
U.a. mit „cor-loges“ von Dr. Loges steht zwar ein therapeutisch ähnlich gelagertes Injektionspräparat zur Verfügung, das jedoch nicht zur intracutanen Injektion zugelassen ist (nur s.c., i.m. und i.v.). Ansonsten setze ich dieses Medikament im Zusammenhang mit Herzbeschwerden des Öfteren in meiner Praxis ein und bin mit den Behandlungserfolgen durchgehend zufrieden.

Als Basiskombination einer homöosiniatrischen Behandlung mit AP XI N verwende ich in der Regel folgende TCM-Punkte:

He 3:

Lokalisation: bei maximaler Armbeugung zwischen dem Ende der Ellenbogenfalte und dem Epicondylus ulnaris
Besonderheit: He-Punkt, beseitigt Stagnationen im He-Meridian; Meisterpunkt der Depression; psychisch aufhellend

He 7:
Lokalisation: ulnare Handgelenksfalte, radiale Seite des Os pisiforme
Besonderheit: Shu-Strömungspunkt, Sedativpunkt; beruhigt die Psyche, befriedet das Herz; löst Stauungen des Herz-Qi sowie in den Meridianen der Brust

He 5:
Lokalisation: 1 Cun proximal He 7
Besonderheit: Luo-Durchgangspunkt; öffnet Herzgefäße

Mi 4:
Lokalisation: im Grübchen über dem Übergang von Basis zu Schaft des Os metatarsale I, am Farbumschlag der Haut
Besonderheit: Kardinalpunkt für das Penetrationsgefäß Chong Mai, das auch als „Supermeridian“ bezeichnet wird; wirkt auf die Herzfunktion

Ren 17:
Lokalisation: Mittellinie des Sternums, auf Höhe des 4. Intercostalraums
Besonderheit: Mu-Alarmpunkt Pericard; einflussreicher Akupunkturpunkt für das Respirationssystem (Befreiung des Thorax)
Zusätzlich akupunktiere ich sämtliche bei funktionellen Herzbeschwerden infrage kommenden Punkte (schadet nicht und stärkt die Patienten-Compliance) sowie das Gros der Entspannungspunkte der Französischen Ohrakupunktur nach Dr. Paul Nogier.
Im Detail sind das folgende Punkte:

  • Omega-Hauptpunkt rechts
  • Omega 1 rechts
  • Omega 2 rechts
  • Valium links
  • Bourdiol rechts
  • Motorischer Herzpunkt links
  • Nervaler Herzpunkt links

Bemerkung: „Rechts“ und „links“ bezieht sich dabei auf den häufigeren Fall des Rechtshänders. Bei einem Linkshänder würde man genau umgekehrt stechen. Ist sich der Patient indes selbst nicht sicher, ob er ein richtiger (sprich gebürtiger) Rechtshänder ist oder ggf. – aus welchen Gründen auch immer – „umerzogen“ wurde, empfiehlt sich folgender Test: Lassen Sie den Patienten in die Hände klatschen. Nur ein „echter“ Rechtshänder klatscht dabei in der Regel mit der rechten Hand von oben in die linke. Beim Linkshänder wäre es dagegen eher umgekehrt.

Spätestens nach fünf Homöosiniatrie-/Akupunktur-Sitzungen (2 mal pro Woche) wird so in der Regel eine deutliche Beschwerdelinderung erreicht.

Die Dauer der gesamten Therapie hängt von deren Erfolg ab, ist stark individuell und muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Fazit: Wer unter einer Herzneurose leidet, steht unter argem Leidensdruck, kaum anders wie „tatsächlich“ Herzkranke. Er leidet unter ähnlichen Symptomen, auch wenn es für diese meist keine organische Ursache gibt. Dennoch möchte der Patient ernstgenommen werden – weshalb es die Patienten-Compliance nach meiner Erfahrung ungemein fördert, nicht nur auf psychisch-seelischer Basis zu behandeln, sondern auch eine zumindest prophylaktisch herzstärkende Behandlung durchzuführen. Das passt zum Berufsbild des Heilpraktikers und trägt stark zu Vertrauensbildung, Patientenbindung und Behandlungserfolg bei.

 


Literatur:

  • Praxishandbuch Akupunktur, Urban & Fischer, Stuttgart
  • Angewandte Homöosiniatrie, Sonntag, Stuttgart
  • Seirin-Bildatlas der Akupunktur, KVM-Verlag, Marburg

Autor:
Johannes W. Steinbach ist Heilpraktiker, Medizinjournalist, Fachbuchautor und Herausgeber von heilpraktiker-lernskripte.de (www.heilpraktiker-lernskripte.de).

Kontakt:

Naturheilpraxis Steinbach
Schillerstr. 18, 54329 Konz