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Spitzwegerich - Plantago lanceolata

Synonyme:
Spießkraut, Lungenblattl , Schlangenzunge, Heilwegerich, Wundwegerich, Wegreich, Hundsrippen, Lügenblatt, Lägenblatt, Lämmerzunge, Rippenkraut, Rossrippen, Siebenrippen, Schafzunge, Heilblärer, Spitz-Wegeblatt, Spitzfederich, Wagentranenblatt, Wegbreite, Wegtritt, Heufressa

Spitzwegerich war ursprünglich in ganz Europa beheimatet, hat sich dann aber auch in Nord- und Mittelasien eingebürgert. Als der Mensch begann, die Wälder in großem Umfang zu roden, um sie in Weideland und Felder zu verwandeln, breitete sich der besonders anpassungsfähige Spitzwegerich aus. Inzwischen ist er weltweit verbreitet.
Das Wort „Wegerich“ kommt von den althochdeutschen Wörtern wega = Weg und rih = König.
Der Gattungsname Plantago leitet sich ab vom lateinischen planta = Fußsohle, Fußfläche und spielt wohl auf die Trittfestigkeit der Pflanze an.

Spitzwegerich gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Dazu gehören auch der arzneilich genutzte Breitwegerich (Plantago major) und der Mittlere Wegerich (Plantago media).

1993 wurde Spitzwegerich von den Heilkräuterfreunden zur Heilpflanze des Jahres gewählt.
2013 wählten ihn Wissenschaftler der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2014.

Woran erkennt man Spitzwegerich?

Spitzwegerich ist eine mehrjährige, weit verbreitete Pflanze mit grundständigen Rosetten, die aus etwa 20 cm langen Blättern mit parallelem Nervenverlauf bestehen.
Er besitzt unscheinbare, braune Blüten, die am Ende eines langen Stieles in walzenförmigen Ähren stehen.
Die Wuchshöhe beträgt zwischen 5 und 50 Zentimetern und die Wurzel reicht bis in 60 cm Tiefe.

Wie wirkt Spitzwegerich?
Die in der Droge enthaltenen Schleimstoffe wirken durch ihre einhüllende Wirkung reizlindernd, die Gerbstoffe zusammenziehend (adstringierend) und die Abbauprodukte der Iridoide (z.B. Aucubigenin aus Aucubin) antibakteriell.

Insbesondere das Aucubin besitzt hemmende Effekte auf das Wachstum bestimmter Bakterien (z.B. Klebsiella pneumoniae [Erreger von Infektionen der Harn- und Atemwege] und Staphylococcus aureus [Erreger von Hautinfektionen, Muskelerkrankungen und Lungenentzündungen]. Auf Aucubin gehen auch die entzündungshemmenden Eigenschaften des Spitzwegerichs zurück. Es hemmt vermutlich die Synthese bestimmter Entzündungsmediatoren wie Prostaglandin.
Innerlich werden Spitzwegerichblätter wegen ihrer reizmildernden und leicht hustenlösenden Wirkung gegen Katarrhe der Luftwege und entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Erkältung und Katarrh angewandt.
Die äußere Anwendung erfolgt bei entzündlichen Veränderungen der Haut, Hauterkrankungen, Hautverletzungen und zur Wundheilung.
Wenn man sich in der freien Natur verletzt hat und weder Pflaster noch Desinfektionsmittel dabei hat ist es hilfreich, ein paar Spitzwegerichblätter zwischen den Fingern zu verreiben oder zu zerkauen und sie dann auf die Wunde aufzulegen. Mit einem unzerkauten Blatt kann das Ganze bedeckt werden.

Spitzwegerichblätter wurden vom HMPC* als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Zusammengefasst noch einmal die Wirkungen von Spitzwegerich

  • antibakteriell
  • adstringierend
  • blutreinigend
  • blutstillend
  • entzündungshemmend
  • harntreibend
  • schleimlösend
  • Afterjucken
  • Appetitlosigkeit
  • Fettsucht
  • Augenentzündungen
  • Blasenschwäche
  • Asthma, Erkältung, Bronchitis
  • Katarrhe der oberen Luftwege
  • Keuchhusten
  • Darmschleimhautentzündung, Verstopfung und Durchfall
  • Ekzeme, Hautabschürfungen, Insektenstiche
  • Quetschungen, blutende Wunden, leichte Verbrennungen
  • Furunkel und Hämorrhoiden
  • Halsentzündung und Halsschmerzen
  • Leberschwäche und Magenschleimhautentzündung
  • Ödeme (Wassersucht)

Welche Wirkstoffe enthält Spitzwegerich?

Spitzwegerich enthält 2-3 % Iridoglykoside mit den Hauptkomponenten Aucubin (s. Formel), Catalpol, Asperulosid und Globularin. Der Gehalt an Iridoglykosiden wird vom Alter der Blätter und der Jahreszeit beeinflusst. Außerdem sind ca. 3,5% Acteosid (Verbascosid), Phenylethanoidglykoside, Schleimstoffe, etwa 7% Gerbstoffe, Kaffeesäureglykoside, Flavonoide (hauptsächlich Glykoside des Apigenins), Mineralstoffe, ätherisches Öl, Kieselsäure und Hydroxyzimtsäuren (Chlorogen- und Neochlorogensäure) enthalten.

Von der PhEur wird ein Mindestgehalt an ortho-Dihydroxyzimtsäure-Derivaten gefordert.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
In der Pflanzenheilkunde werden die getrockneten, ganzen oder zerkleinerten Blätter und Blütenschäfte des Spitzwegerichs verwendet, die auch Grundlage für einen Tee sind.
Die Blätter müssen zügig und sehr sorgfältig getrocknet werden, da sie sonst schwarze Flecken bekommen und unbrauchbar werden.

Die Samen des Spitzwegerichs kann man in Wasser einweichen, dann aufkochen lassen und Säuglingen gegen Soor (Candidamykosen) geben.

Anwendung
Zur Teebereitung werden etwa 4 Teelöffel der geschnittenen Spitzwegerichblätter mit siedendem Wasser übergossen, 10 Minuten stehengelassen und anschließend abgegossen.

Für Spitzwegerichsaft verwendet man die frischen ausgepressten Blätter.

Viele hustenlösende und auswurffördernde Medikamente enthalten Spitzwegerich in Verbindung mit solchen Pflanzen wie Lindenblüten, Thymian, Efeu, Sonnentau, Meerrettich, Kalmus, Fenchel, Bibernelle, Süßholz, Eibisch, Holunder, Hagebutte und Lungenkraut.

Verschiedenes
In den Mangelzeiten nach den beiden Weltkriegen und auch während der Weltwirtschaftskrise wurde Salat aus wildwachsendem Spitzwegerich und anderen Wildkräutern als beliebter Ersatz für unerschwinglichen oder nicht erhältlichen grünen Salat verwendet.

Die Heilkraft des Wegerichs wurde schon von den alten Germanen sehr hoch eingeschätzt und auch Paracelsus hat die Pflanze bereits als heilend erwähnt.

* Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (engl. Committee on Herbal Medicinal Products, kurz HMPC), Fachgremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), das auf wissenschaftlicher Basis Monographien für pflanzliche Arzneimittel erstellt.

 

 


Gemeiner  Löwenzahn (Taraxacum officinale)


Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
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