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Hamamelis virginiana - Virginische Zaubernuss

Aesculus castanea, Castanea equina, Hippocastanum vulgare, Gewöhnliche Rosskastanie, Weiße Rosskastanie, Pferdekastanie, Rosskastanie, Wilde Kastanie, Drusenkesten, Gichtbaum, Kestenbaum, Saukesten, Zierkestenbaum

Die Virginische Zaubernuss aus der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae) wächst im östlichen Nordamerika von Mexiko bis Kanada. Es handelt sich um einen buschigen Strauch, der eine Höhe von bis zu etwa 7 Meter erreicht und mäßig nährstoffreiche, feuchte, eher kalkfreie Böden ohne Staunässe in voller Sonne oder im Halbschatten bevorzugt. 

 Der Gattungsname Hamamelis setzt sich wahrscheinlich aus dem griechischen hama (gleichzeitig) und melon (Apfel) zusammen, da der Baum im gleichen Jahre vor dem Blühen Früchte trägt. Das liegt daran, dass die Blüte normalerweise bereits im Vorjahr stattfindet, oft auch bei Temperaturen (bis -10 °C), bei denen andere Pflanzen schon lange keine Blüten mehr tragen. Aus diesem Grund kam es wahrscheinlich auch zu dem Namen „Zaubernuss“. Die Zaubernuss war früher ein traditionelles Heilmittel nordamerikanischer Indianerstämme. Diese behandelten mit Umschlägen aus einer Abkochung der Rinde vor allem Tumore und Augenentzündungen, Frauen tranken den Sud bei starken Menstruationsblutungen. Nach Europa gelangte der Strauch erst etwa im 18. Jh., zunächst als Ziergewächs. Die Fortpflanzung erfolgt recht eigenwillig und magisch. Aus den braunen Fruchtkapseln werden die Samen oft bis zu vier Meter weit fortgeschleudert.

Hamamelis sollte nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden. Innerlich in Form eines Tees kann es bei einer Überdosierung zu Darmreizungen kommen. Daher empfiehlt es sich, vor einer Behandlung mit Hamamelis einen Arzt zu konsultieren. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören lokale Hautreaktionen.

Woran erkennt man Hamamelis?

Hamamelis ist ein 3-7 Meter hoher Strauch oder kleiner Baum mit charakteristischen, breitovalen Blättern, die stark denen der europäischen Haselnuss ähneln. Im Herbst erscheinen kleine gelbe Blüten mit langen schmalen Kronblättern. Außerdem trägt der Strauch oder Baum holzige Fruchtkapseln. Die (rötlich-)braune Außenseite der Rinde ist mit Kork bedeckt, darunter befindet sich hellere Rinde. Die Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite hellgrün bis hellbraun und glänzend. Die Blattnerven treten besonders auf der Unterseite deutlich hervor. 

 

 

Wie wirkt Hamamelis?

In Studien wurden die adstringierenden, antiphlogistischen, antioxydativen und antiviralen Wirkungen der Hamamelisrinde nachgewiesen. Gallotannine haben starke antioxidative (gegen freie Radikale gerichtete) und antitumorale Wirkungen. Belegt wurde außerdem in kontrollierten klinischen Studien die Wirksamkeit bei Hämorrhoiden vom Grad I und II, atopischen und endogenen Ekzemen, bei Neurodermitis und trockener Altershaut sowie bei Entzündungen der Schleimhaut im Bereich des Darmausgangs. Hamamelisblätter werden bei Juckreiz, Nässen und Brennen bei Hämorrhoiden vom Grad I u. II sowie bei Schleimhautentzündungen im Analbereich eingesetzt. Innerlich verwendet man sie zur symptomatischen Behandlung von Krampfadern sowie schmerzenden und schweren Beine. Äußerlich erfolgt die Anwendung bei Blutergüssen, Verstauchungen und leichten Hautverletzungen, bei lokalen Haut- und Schleimhautentzündungen der Haut und Schleimhaut.

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für Hamamelis

  • adstringierend
  • beruhigend
  • blutstillend
  • entzündungshemmend
  • bei Afterjucken
  • Analfissuren und Analekzem
  • Blutungen
  • Durchfall
  • Ekzemen
  • Gebärmuttervorfall
  • Geschwollenen Füßen
  • Hämorrhoiden
  • Hautentzündungen und Hautjucken
  • Kopfschuppen
  • Venenentzündung und Krampfadern
  • Schleimhautentzündungen
  • Neurodermitis und Seborrhoischem Ekzem
  • Trockener und unreiner Haut
  • Verbrennungen
  • Windeldermatitis
  • Wunden
  • Zahnfleischentzündung

Welche Wirkstoffe sind in Hamamelis enthalten?
Hamamelis enthält 3-8% Gerbstoffe (hauptsächlich Gallotannine, wie - und -Hamamelitannin [s. Formel], Ellagitannin), Gerbsäure, Hamamelin, Quercetol, Chinasäure, Kaempferol, Gallussäure, Flavonoide, Phenol, ätherisches Öl (mit Ionon, Safrol), Flavonglykoside, Kaffeesäurederivate, Proanthocyanidin. Letzteres regt die Zellteilung an und beschleunigt die Wundheilung. Hamamelitannin reduziert signifikant die Stoffwechselaktivität von Biofilmen mit Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus, Acinetobacter baumannii und Candida albicans und zeigt spezifische zytotoxische Aktivität gegen Dickdarm-Krebszellen. Die Verteilung der Wirkstoffe ist dabei nicht in allen Pflanzenteilen gleich, so sind in der Rinde mehr Gerbstoffe als in den Blättern enthalten. Sie enthält dafür weniger Flavonoide und ätherische Öle.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Verwendet werden die Hamamelisrinde (Cortex hamamelidis), d.h. die getrocknete, zerkleinerte Rinde der Stämme und Zweige und die getrockneten Blätter (Folia hamamelidis).

Anwendungen
Hamameliswasser: Die frisch geschnittenen und teilweise getrockneten Zweige werden mit Wasser mazeriert und anschließend destilliert und mit Ethanol versetzt. Anwendung bei oberflächlichen Hautverletzungen und lokalen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute.

Hamamelistinktur
200 Gramm getrocknete Hamamelisrinde (aus der Apotheke) in ein Glas mit Deckel geben. Mit einem Liter 35 bis 40-prozentigem Alkohol (Wodka, Korn) auffüllen, das Glas schließen und zwei Minuten schütteln. Anschließend zwei Wochen kühl und dunkel lagern und alle zwei Tage schütteln. Dann das Gemisch durch ein mit einem Passiertuch ausgelegtes Sieb in einen Krug gießen. Das Gemisch gut auspressen und die Tinktur in dunkle Glasflaschen füllen, fest verschließen. Die Haltbarkeit beträgt bis zu zwei Jahre.
Nicht unverdünnt verwenden! 

Für einen Tee aus Hamamelisblättern 1-2 g der klein geschnittenen Blätter (1 Teelöffel entspricht etwa 0,5 g) mit siedendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb geben. Für einen Tee aus Hamamelisrinde 2 g der gepulverten oder fein geschnittenen Rinde (1 Teelöffel entspricht etwa 2,5 g) mit kaltem Wasser ansetzen, 10-15 Minuten kochen und heiß abseihen.

 


Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a
50859 Köln

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