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Muskatnuss, Macis Myristica fragrans

Huflattich - Tussilago farfara

Myristica fragrans Houtt., Myristica argentea Warb., Myristica amboinensis, M. aromatica, M. moschata, M. officinalis, M. philippinensis, Muskatnussbaum, Muskat, Muskatblüte, Macis, Myristicae semen, Nux Nucistae, Muskatsame, Nux moschata

Der Muskatnussbaum gehört zur Familie der Muskatnussgewächse (Myristicaceae). Es handelt sich nicht um eine Nuss, son¬dern den in¬nere Kern einer pfirsichartigen Frucht.
Der Samenmantel wird als Macis oder Muskatblüte bezeichnet. Beide werden als Gewürze verwendet.

Das Wort Muskatnuss entstammt dem französischen noix muscat, das wiederum von mittellateinisch nux muscata stammt. Es bedeutet so viel wie „nach Moschus duftende Nuss“.
Der Name Myristica leitet sich vom griechischen Wort myron [μύρον] Balsam, Wohl¬geruch bzw. myristikos "wohlriechend" ab.

Die Muskatnuss kommt ursprünglich von den Molukkeninseln Ambon, Banda, Ceram, Damar und Nila (auch als Gewürzinseln bekannt). Heute werden Muskatnussbäume aber auch auf Sumatra, Java, Borneo, Neuguinea und einigen anderen Inseln sowie in Vorder- und Hinterindien und in anderen tropischen Ländern angebaut. Wichtigstes Anbaugebiet nach Indonesien ist inzwischen die Antilleninsel Grenada mit immerhin 20% der Weltproduktion. Die Muskatnuss ist daher auch ein Bestandteil der Flagge dieses Inselstaates in der Karibik.

Schon 4 g Muskatnuss können Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Störungen der Wahrnehmung und Übelkeit auslösen. Ab 5 g kommt es zu psychischen Störungen von leichten Bewusstseinsveränderungen bis zu intensiven Halluzinationen.
Diese Menge kann aber durch die Verwendung als Gewürz bei Mahlzeiten kaum erreicht werden. Allerdings ist die Inhaltsmenge der Wirkstoffe in den Muskatnüssen sehr unterschiedlich hoch.
Besonders für Kinder sind Muskatnüsse sehr giftig und können sogar zum Tod führen. Für Schwangere ist die Muskatnuss wegen wehenanregender Wirkung (Gefahr eines Abortes) nicht geeignet.

Woran erkennt man Muskatnuss?

MuskatnussDer Muskatnussbaum ist ein immergrüner Baum von 5 - 18 m Höhe (in Plantagen bis 6 m Höhe). Er ist diözisch, d. h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Laubblätter sind wechselständig, einfach und gestielt. Meist vier bis acht männlichen Blüten befinden sich in einem zwischen 2,5 und 5 cm großen Blütenstand. Weibliche Blüten befinden sich oft einzeln (zuweilen auch zu mehreren) in einem Blütenstand. Die Bäume blühen von März bis Juli. Die Frucht ist beerenartig und ist acht bis zehn Zentimeter lang bei einem Durchmesser von 3,5 bis 5 Zentimetern. Die etwa zwei Zentimeter großen, rundlichen Samen sind von einem rötlichen, fleischigen, ölhaltigen Samenmantel umgeben.

Wie wirken Muskatnuss und Macis?
Muskatnuss wird hauptsächlich als Gewürz oder Oleoresin (färbende oder geschmackgebende Extrakte aus Pflanzenteilen, die durch Lösungsmittelextraktion gewonnen werden), aber auch als Rauschmittel verwendet. In der Volksmedizin gilt sie als Aphrodisiakum und als Hypnotikum. Traditionell verwendet man sie zur Konservierung von Speisen. Sie hat antiseptische und desinfizierende Eigenschaften. Im Ayurveda wird sie gegen Durchfallerkrankungen eingesetzt. Diese Wirkung konnte in pharmakologischen Studien bestätigt werden.

Darüber hinaus wirkt sie auch als mildes Analgetikum. Durch ihre antimikrobielle Wirkung kann sie bei Infektionskrankheiten sowie bei äußerlicher Anwendung angewandt werden. In Indien wird Muskatnuss zuweilen gegen männliche Potenzstörungen verabreicht. Macis wurde im Mittelalter bei Erkrankungen der Leber, der Milz und des Magens als Arzneidroge verwendet.  Früher setzte man Muskatnuss auch zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit ein. Dies war ein beliebter Einsatzzweck der Muskatnuss durch Hildegard von Bingen. Im Mittelalter sagte man der Muskatnuss eine heilende Wirkung gegen Pest nach. Durch die antibakterielle Wirkung der Muskatnuss kann das nicht völlig ausgeschlossen werden.

Muskatnüsse besitzen eine hohe Proteaseaktivität.
In größeren Dosen ruft die Muskatnuss Gastroenteritis und psychische Störungen hervor. Die narkotische Wirkung der Nuss scheint die des ätherischen Öls bei weitem zu übertreffen. Als Geruchs- und Geschmackskorrigenz kann die Muskatnuss jedoch ohne Bedenken verwendet werden.
Die berauschende Wirkung der Muskatnuss rührt von dem im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin her. Die dadurch erzeugten Halluzinationen und der euphorische Zustand kann über mehrere Tage lang anhalten. Die halluzinogenen Stoffe sind auch in der Muskatblüte (Macis) enthalten.

 

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für Muskatnuss und Macis

  • adstringierend
  • anregend
  • antibakteriell
  • beruhigend
  • krampflösend
  • menstruationsfördernd
  • Blähungen, Magenschwäche, Magenkrämpfe
  • Durchfall
  • Leber- und Gallenschwäche
  • Rheuma, Gicht
  • Herzschwäche
  • Gedächtnisschwäche
  • Schlaflosigkeit
  • Ekzeme, Flechten, Herpes,

Bekannte Arzneimittel, die ätherisches Muskatöl enthalten, sind Vick VapoRub®, Carmol® und Klosterfrau Melissengeist®.

Myristica fragrans HAB 1 als homöopathisches Mittel ist Muskatnuss, die getrockneten, von der Samenschale befreiten, meist gekalkten Samenkerne.
Die Anwendungsgebiete liegen im Bereich von Erkrankungen des Zentralnervensystems, des Magen-Darm-Traktes, der weiblichen Geschlechtsorgane sowie des Stütz- und Bewegungsapparates.

Welche Wirkstoffe sind in Muskatnuss und Macis enthalten?
Die Muskatnuss enthält neben ca. 40% Fett (Hauptbestandteil ein Triglycerid der Myristinsäure) ca. 5-13% ätherisches Öl, das aus Terpen¬kohlen¬wasserstoffen (Sabinen und Pinene; daneben Camphen, p Cymen, Limonen u.a.; zusammen ca. 60 bis 80%), Terpen¬abkömm¬lingen (Linalool, Geraniol, Terpineol; 5 bis 15%) und Phenyl¬propanderivaten (Myristicin [s. Abbildung], Safrol, Eugenol und dessen Derivaten; 15 bis 20%) besteht. Das Myristicin (Methoxysafrol, ca. 4%) für die halluzinogene Wirkung großer Muskatmengen verantwortlich. Das ätheri¬sche Öl aus der Muskat¬blüte enthält etwa dieselben Aroma¬kompo¬nenten wie das der Muskatnuss, der Gehalt an Terpenen ist mit fast 90% gegenüber dem Gehalt an Phenyl¬propanen mit ca. 10% leicht erhöht. Darüber hinaus enthält Muskatnuss Kohlenhydrate wie Stärke, Saccharose, Xylan und Pentosane sowie bis zu 0,6 % Pektin; die Samenschale (Macis) enthält Gerbstoffe und Lipase. Muskatbutter gewinnt man durch Auspressen der Muskatnüsse, es handelt sich um ein halbfestes, rotbraun gefärbtes Fett mit intensivem Muskatgeruch und -geschmack.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Myristicae aetheroleum (syn. Aetheroleum Myristicae, Macidis aetheroleum, Myristicaeessentia, Oleum Myristicae, Oleum Myristicae aethereum, Oleum Nucis moschati); Muskatöl (syn. Ätherisches Muskatnussöl, Ätherisches Muskatöl, Macisöl), das ätherische Öl des Samens oder des Samenmantels. Myristicae semen (syn. Myristicae nux, Nuces Aromaticae, Nuces Nucistae, Nuclei Myristicae, Nucleus Mucistae, Nux Moschata, Nux Myristicae, Semen Myristicae, Semen Nucistae); Muskatnuss (syn. Muskatsamen), die getrockneten, vom Samenmantel und der Samenschale befreiten Samenkerne.

Anwendungen
Ätherisches Muskatöl wird als Aromastoff in Zahnpasten und als Geschmackskorrigens in Medikamenten genutzt. In der Parfümerie setzt man es oft herb-würzigen Männerparfümen zu. Muskatnussbutter kann nach Abtrennen des ätherischen Öls als Ersatz für Kakaobutter dienen oder gemeinsam mit anderen Fetten wie beispielsweise Baumwollsamenöl oder Kokosnussöl verwendet werden. Muskatnussbutter wird in Indien aus minderwertigen Samen gewonnen; man stellt daraus Kerzen, Zahnpasten, Seife und Parfum her.

Verschiedenes
Die erste gesicherte Überlieferung stammt von dem byzantinischen Arzt Simon Seth, der im 10. Jahrhundert über die Muskatnuss schrieb, "dass sie dem Magen, der Leber und dem Herzen nütze", aber auch bereits vor deren übermässigem Verzehr warnte, "weil sie dann den Eingeweiden schade".
Die erste bekannte Anwendung von Muskat und Macis ist die Aromatisierung von Bier.

Zuweilen wird behauptet, dass die Muskatnuss bereits lange vor Christus in Ägypten bekannt und begehrt war. Die Funde in Sarkophagen und Grabkammern erwiesen sich aber als Palmfrüchte. Ebenfalls wurde festgestellt, dass zum Einbalsamieren der Mumien keine Muskatbutter verwendet wurde.

 


 

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittel-chemiker
Ostlandstr. 53a, 50859 Köln,
Tel.: 02234-9878810 - Fax: 02234-9878813
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