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Meerrettich (Kren)

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Meerrettich ist ein Verwandter der bekannten Kohlarten und gehört zur gleichen Pflanzenfamilie, den Kreuz­blüten­gewächse (Brassicaceae). Seine ur­sprüngliche Herkunft aus dem Mittelmeer­raum oder Osteuropa kommt auch in der Namensgebung (Kren) zum Ausdruck, dessen Herkunft zwar nicht nachzuvollziehen ist, aber als Wortstamm in etlichen slawischen Sprachen erhalten geblieben ist: russisch хрен, tschechisch křen, sorbisch krěn. Der (nord)deutsche Name Meerrettich hat allerdings - auch wenn das naheliegend sein könnte - nichts mit dem Meer zu tun, sondern bedeutet eigentlich Mehrrettich im Sinne von "Größerer" Rettich. 

Meerrettich ist eine alte Heil- und Kulturpflanze, die bereits in der Antike bekannt war. Darauf deutet ein Wandgemälde aus Pompeji hin. Auch Cato hat den Meerrettich in einer Abhandlung über den Ackerbau erwähnt.  Ursprünglich war Meerrettich gar kein Lebensmittel im heute bekannten Sinne, sondern eine Heilpflanze, die erst später als Gewürz und dann auch als Lebensmittel eingesetzt wurde. Die Pflanze wird schon seit Jahrhunderten, wie viele andere auch, in den Klöstern Europas kultiviert.

 

Meerrettich ist die Heilpflanze des Jahres 2021.

 

Woran erkennt man den Meerrettich? 

Es handelt sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis 120 (selten bis 200) Zentimeter erreicht. Sie ist winterhart und hält sogar Temperaturen bis −50 °C aus. Dabei hilft ihr ihre senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel von 30 bis 40 Zentimeter Länge und einem Durchmesser von 4 bis 6 Zentimeter. Diese hat eine walzenartige Form, wie eine Art Knüppel. Die Laubblätter sind grundständig und der bis zu 60 cm lange Blattstiel ist an der Basis deutlich verbreitert. Die Blattspreite erreicht Ausmaße von 10 bis 60 cm Länge und 3 bis 17 cm Breite.

Die Pflanze blüht etwa von Mitte Mai bis Juli, dabei erreichen die Blütenstände eine Höhe bis zu 120 cm bei einem Durchmesser bis zu 40 cm. Die Blüten verströmen einen intensiven Duft. Aus dem Blüten entwickeln sich Schoten, die zwischen 4 und 6 mm lang sind, sich aber nicht immer vollständig ausbilden.

 

Wie wirkt der Meerrettich?

Aufgrund seiner bakteriostatischen bzw. bakteriziden Wirkung wirkt der Meerrettich antibiotisch und antimikrobiell. Das enthaltene Allylsenföl besitzt ein gute Wirksamkeit gegen gramnegative Bakterien, das ebenfalls enthaltene 2-Phenylethylsenföl hat ein erweitertes Wirkspektrum gegen grampositive Bakterien. Meerrettich fördert die Hautdurchblutung sowie die Bewegung der Gallenmuskulatur. Durch seine schleimlösende und schweißtreibende Wirkung findet er innerlich Anwendung bei Katarrhen der Atemwege. Seine harntreibende Wirkung führt zu einem Einsatz bei Infekten der ableitenden Harnwege, wobei die antibiotische und antimikrobielle Wirkung einen unterstützenden Beitrag liefern. 

In der äußeren Anwendung liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf den Katarrhen der Atemwege, wegen der hyperämisierenden Wirkung aber auch in der Behandlung leichter Muskelschmerzen. Die Wurzel gilt darüber hinaus als menstruationsfördernd. In der Homöopathie setzt man den frischen Wurzelstock (Armoracia-Meerrettich HAB34) bei Augenentzündungen, Entzündungen der oberen Luftwege sowie Oberbauchkoliken ein.

 

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für Meerrettich

  • Asthma
  • Blasen- und Nierenbeckenentzündung
  • Harnsteine
  • Bronchitis
  • Blähungen
  • Erkältung, Grippe (grippale Infekte)
  • Husten, Keuchhusten
  • Gicht
  • Kopfschmerzen
  • Lebererkrankungen, Gallenerkrankungen
  • neuralgische Beschwerden
  • Nierenbeschwerden, Nierenerkrankungen
  • Rheuma bzw. rheumatische Beschwerden
  • Verdauungsschwäche
  • Zahnschmerzen
  • Angina
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Verstopfung
  • Stärkung des Immunsystems
  • Insektenstiche
  • Muskelschmerzen
  • Nebenhöhlenentzündung

 

 Welche Wirkstoffe sind im Meerrettich enthalten?

In der Wurzel sind 0,6% Senfölglykoside (Sinigrin 0,2% [s. Formel], Gluco­nasturtiin 0,1%, Glucobrassicanapin, Glucobrassicin) enthalten, daneben auch Methyl-, Ethyl-, Isopropyl-, 4-Pentenyl-, Allyl­isothiocyanat bzw. 2-Phenylethyl­isothiocyanat. Ein Stoff, den man schon vom Knoblauch kennt, ist Allicin, aus dem wegen Instabilität die Geruchskomponenten des Knoblauchs entstehen, der Gehalt im Meerrettich ist aber deutlich geringer. Weiterhin enthält die Wurzel die Aminosäuren Asparagin, Glutamin und Arginin sowie organisch gebundenen Schwefel und das Enzym Peroxidase (Meerrettich-Peroxidase). Zu den weiteren Inhaltsstoffen zählen Flavone (wie Quercetin, Kämpferol) und der Gehalt an den Vitaminen  B1, B2 und B6. In nicht unerheblicher Menge enthält die frische Wurzel 177,9 mg/100 g Ascorbinsäure (Vitamin C). Daneben sind noch die Mineralstoffe Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor sowie das Spurenelement Eisen zu finden.

  

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Verwendet wird in der Regel die Wurzel, entweder frisch oder eingelegt, mitunter auch die getrocknete Wurzel Armoraciae radix (syn. Armoraciae radix recens, Radix Armoraciae recens) bzw. Meerrettichwurzel (syn. Krenwurzel, Pfefferwurzel).

 

Meerrettich sollte nicht bei Kindern unter 4 Jahren angewendet werden.
Ebenso ist Vorsicht geboten bei Personen mit Magen- oder Darmgeschwüren sowie bei entzündlichen Darmerkrankungen.
Auch bei Entzündungen der Nieren sollte man auf Meerrettich verzichten. 
Menschen mit Schilddrüsenproblemen sollten Meerrettich vermeiden.

 

Anwendung

Meerrettich-Saft oder ein Elixier empfehlen sich besonders bei Erkältungskrankheiten.

Die mittlere Tagesdosis ist 20 g frische Wurzel bzw. die entsprechenden Zubereitungen daraus.

Bei äußerer Anwendung dürfen die Zubereitungen maximal 2% Senföle enthalten. 

Noch ein kleiner Tipp: ein wenig der frischen zerriebenen Meerrettichwurzeln in ein gutes Massageöl geben und ca. 15 Minuten ziehen lassen. Dann eine belebende Massagen damit durchführen, die auch bei Muskelschmerzen sowie Muskelkater hilft.

 

 Verschiedenes

Die Wurzel soll als Amulett heilende Kräfte haben. Kinder trugen daher früher auf dem Land öfter Halsketten aus geschnittenen aufgefädelten Wurzelscheiben.

Auch wird gesagt, dass die Geldtasche niemals leer bleibt, wenn eine rohe Wurzelscheibe hineingelegt wird.



Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a
50859 Köln

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