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Echtes Tausendgüldenkraut - Centaurium erythraea

Echtes Tausendgüldenkraut

Echtes Tausendgüldenkraut - Centaurium erythraea

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Das Echte Tausendgüldenkraut ist eine formenreiche Pflanzenart der Gattung Centaurium in der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Das in Deutschland (auf Grundlage der Bundesartenschutzverordnung) streng geschützte Echte Tausendgüldenkraut findet sich in der Natur in fast ganz Europa außer im nordwestlichen Skandinavien auf nährstoffreichen, sonnigen, halbtrockenen bis frischen Wiesen und Waldlichtungen in Höhenlagen bis 1400 m.

Der deutsche Name Tausendgüldenkraut ist abgeleitet von„tausend Gulden wert“. Darin spiegelt sich die Bedeutung dieser Pflanze wider. Es handelt sich um eine fehlerhafte Übersetzung des lateinischen Namens centaurea bzw. centaurium, der nicht von centum aurei (100 Gulden) herrührt, sondern vom griechischen Pflanzennamen kentaúrion, da der Zentaur Chiron das Kraut zur Heilung von Wunden benutzt haben soll.

Das Echte Tausendgüldenkraut wurde 2004 zur Heilpflanze des Jahres ernannt.

 

Woran erkennt man das Echte Tausendgüldenkraut?

Das Echte Tausendgüldenkraut ist eine sommergrüne zweijährige krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 20 bis 50, manchmal bis zu 60 Zentimetern. Der meist aufrechte Stängel ist hohl. Die kahlen, ganzrandigen Laubblätter sind in einer auffälligen grundständigen Rosette angeordnet und kreuzgegenständig am Stängel verteilt. Die Grundblätter sind 20 bis 40 Millimetern lang. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis September. Es bildet sich ein lockerer bis dichter, zusammengesetzter, trugdoldiger Blütenstand. Die fünfzähligen, zwittrigen Blüten haben einen Durch¬messer von 9 bis 15 mm. Sie liefern zwar keinen Nektar, locken aber dennoch durch den Blütenstaub viele Insekten an. Die Blüten öffnen sich nur bei Sonnenschein.

 

Wie wirkt das Echte Tausendgüldenkraut?

Die medizinische Anwendung des Tausendgüldenkrauts lässt sich bis ins 5. Jh. v.Chr. zurückverfolgen. Dioskurides hat es als Purgans, Emmenagogum, Augen- und Wundheilmittel empfohlen. In der Volksheilkunde wurde es früher ibei Erkrankungen der Leber und Gallenblase sowie bei Fieber eingesetzt.

In der Traditionellen Chinesische Medizin ist es ein Mittel bei vielen Erkrankungen des Verdauungstraktes.

Außerdem ist das Echte Tausendgüldenkraut Ausgangssubstanz für die vierte Bachblüte "Centaury" Oft erfolgt die Verabreichung des Echten Tausendgüldenkrauts als Tee. Durch die Bitterstoffe im Tausendgüldenkraut wird der Magen gestärkt, weil sie die Speichel- und Magensaftproduktion anregen. Sie wirken außerdem gegen Sodbrennen, bei Problemen mit dem Stuhlgang und gegen Blähungen.

In der Bitterkeit des Tausendgüldenkrautes kommt auch seine Verwandtschaft zum Enzian zum Ausdruck. Obwohl es appetitanregend ist, hilft es bei übergewichtigen Menschen auch beim Abnehmen. In einem Tee zusammen mit Wermut kann Tausendgüldenkraut die Bauspeicheldrüse stärken und wird dabei gegen leichte Formen von Diabetes eingesetzt. Die Inhaltsstoffe Swertiamarin und Swerosid haben außerdem eine antibakterielle Wirkung gegen bestimmte Bakterien wie Bacillus cereus und Bacillus subtilis.

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für das Echte Tausendgüldenkraut

  • Abwehrschwäche
  • Abszesse
  • Anämie
  • Appetitlosigkeit
  • Blutarmut
  • Darmkatarrh
  • Diabetes
  • Ekzeme
  • Erschöpfung
  • Fieber
  • Leberstauung, Gallensteine
  • Gastritis
  • Gelbsucht
  • Gelenkrheumatismus, Gicht
  • Kreislaufschwäche
  • Malaria
  • Menstruationsbeschwerden
  • Milzschwellung
  • Müdigkeit
  • Nervenschwäche
  • Obstipation
  • Schlecht heilende Wunden
  • Übergewicht
  • Verdaungsstörungen (Aufstoßen, Blähungen, Sodbrennen, Dyspepsie)
  • anregend
  • beruhigend
  • blutreinigend
  • entzündungshemmend
  • stärkend
  • tonisierend

In der Homöopathie verwendet man die ganze frische Pflanze ebenfalls bei Magenbeschwerden.

 

Welche Wirkstoffe sind im Echten Tausendgüldenkraut enthalten?

Das Echte Tausendgüldenkraut ist reich an Bitterstoffen und Bitterstoffglykosiden (Erytaurin, Erythrocentaurin, Erythramin, Gentianin). Als Hauptiridoid enthält sie das Secoiridoidglucosid Swertiamarin (75% der gesamten Iridoidmenge), daneben geringeren Mengen an Gentiopikrin und Swerosid. Die in geringen Mengen vorkommenden Centapikrin und Diacetylcentapikrin gehören zu den bittersten natürlich vorkommenden Substanzen. Weiterhin enthält die Pflanze Harz, ätherisches Öl, Zucker, Magnesiumlactat, Fettsäuren, Flavonoide, Xanthone und Phenolcarbonsäuren (Protocatechu-, Kaffee- und Ferulasäure) sowie Triterpene wie etwa 0,7% Oleanolsäure, β-Sitosterol, Oleanolsäurelacton, Maslinsäure, Erythrodiol, β-Amyrin, α-Amyrin, Erythrodiol-3-palmitat, Stigmasterol, Campesterol, Brassicasterol und δ-7-Stigmasterol.

 

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Tausendgüldenkraut besteht aus den ganzen oder geschnittenen, getrockneten, oberirdischen Teilen blühender Pflanzen Centaurii herba (syn. Herba Centaurii, Herba Chironiae, Herba Erythraeae centaurii). Selten befinden sich darin gelbliche Kapseln, die sehr kleine Samen enthalten. Da die Pflanze in Deutschland streng geschützt ist, stammen die getrockneten Pflanzenteile vorwiegend von Importen aus Bulgarien, dem ehemaligen Jugoslawien und Ungarn sowie nordafrikanischen Ländern wie Marokko.

Tausendgüldenkraut sollte nicht bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren angewendet werden.

 

Anwendungen

Der Tee wird als Kaltauszug hergestellt. Dazu lässt man 1/2 bis 1 TL Tausendgüldenkraut auf 1 Tasse Wasser sechs bis acht Stunden ziehen. Dann gießt man den Tee durch ein Sieb oder einen Filter und erwärmt ihn vorsichtig auf Trinktemperatur.

Alternativ verwendet man für die Teezubereitung 2-3 g der fein geschnittenen Droge (1 Teelöffel entspricht etwa 1,8 g) kochendes Wasser. Die Droge wird übergossen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben, die mittlere Tagesdosis beträgt 6 g. Von diesem Tee trinkt man täglich vor den Mahlzeiten zwei Tassen schluckweise.

Tausendgüldenkraut ist sehr gut für Teemischungen geeignet. Darin wirkt das Tausendgüldenkraut weniger bitter. Als Beispiel für eine magenstärkende Teemischung (bei gewichtsmäßig gleichen Teilen):

  • Tausendgüldenkraut
  • Kalmuswurzel
  • Enzianwurzel
  • Kamille
  • Fenchel

 

Tausendgüldenkraut kann man auch als Tinktur anwenden. Davon nimmt man 10 bis 20 Tropfen in etwas Wasser vor den Mahlzeiten ein. Falls Ihnen die Tinktur zu konzentriert ist, können Sie diese mit Wasser verdünnen. Zur Herstellung der Tinktur füllt man ein Schraubdeckelglas mit frischen oder getrockneten Kräuterstücken. Darüber gießt man Doppelkorn oder 70%igen Alkohol aus der Apotheke, bis die Kräuterteile vollständig bedeckt sind. Dann lässt man diesen Ansatz man zwei bis sechs Wochen ziehen, seiht die Flüssigkeit ab und füllt sie in eine dunkle Flasche. Bei kühler Aufbewahrung hält sich diese Tinktur mindestens ein Jahr.

In einigen europäischen Regionen, z. B. in der Ukraine, wird ein Branntweinaufguss aus Tausendgüldenkraut und Johanniskraut hoch geschätzt.

In geringer Dosis ist Tausendgüldenkraut als Bitterstoff in Nahrungsmitteln und Getränken enthalten. Das Kraut bzw. Extrakte daraus sind Bestandteil vieler Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel.

 

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a
50859 Köln

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