NATURHEILKUNDE aktuell

(2 Bewertungen, durchschnittlich 1.00 von 5)

Brennnessel - verschiedene Arten

Brennnessel - verschiedene Arten

Urtica major, Urtica urens maxima, Haarnessel, Hanfnessel, Nesselkraut, Scharfnessel, Tausend­nessel, Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Nessel, Saunessel, Senznessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel, Eiternessel

Brennnesseln (Urticeae) sind eine Pflanzengattung der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Diese Gattung umfasst ca. 45 Arten, die fast weltweit vorkommen. Lediglich auf den Balearen und auf Kreta in Europa sowie in den afrikanischen und südamerikanischen Tropen und in den Polarregionen fehlen sie. In Deutschland kommen überwiegend 4 Arten vor. Fast überall findet man die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens), seltener die Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis, Synonyme Ukrainische Brennnessel, Sumpf-Brennnessel, Russische Brennnessel, Kiewer Brennnessel, Ufer-Brennnessel) sowie die aus dem Mittelmeerraum „importierte“ Pillen-Brennnessel (Urtica pilulifera, Römische Nessel).

Der Name Urtica leitet sich vom lateinischen „urere“ (brennen) ab, die Bezeich­nung Nessel stammt vermutlich vom mittelhochdeutschen „nezzel“ wegen der Verwendung der Bastfasern zu Nesselgewebe. Der Name Brennessel bezieht sich auf die Hautreizwirkung, die durch eine Berührung der Pflanze verursacht wird.

 

Die Große Brennnessel ist von Heilkräuterfreunden zur „Heilpflanze des Jahres 1996“ gewählt worden.

Woran erkennt man Brennnesseln?
Die Große Brennnessel ist eine ausdauernde, zweihäusige Pflanze mit Wuchshöhen von 30 bis 300 Zentimeter. Zweihäusig bedeutet, dass an einer Pflanze weibliche, an einer anderen Pflanze männliche Blüten vorhanden sind. Der aufrechte Stängel ist stark kantig und kann auch verzweigt sein. Er hat einen Durchmesser von 3 bis 5 Millimeter. Das kräftige Rhizom bildet Ausläufer, was zum Heranwuchern von großen Horsten führen kann.

Die Blätter sind gegenständig, die herzförmige, zugespitzte Spreite ist matt, auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite behaart. Die Länge beträgt zwischen 6 und 20 Zentimeter bei einer Breite von 2 bis 13 Zentimetern. Der Blattrand ist gesägt, selten doppelt gesägt.

Die Kleine Brennnessel ist eine einjährige krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 10 bis 60 Zentimetern. Die einfache, dunkelgrüne Blattspreite ist meist weniger als 5 cm lang und eiförmig-elliptisch mit keilförmiger bis stumpfer Spreitenbasis. Der Blattrand ist eingeschnitten gesägt. Der Endzahn ist nicht länger als die Seitenzähne.

Die Kleine Brennnessel brennt stärker als die Große Brennnessel

Die öligen Früchte der Pillen-Brennnessel (s. Bild) waren in früheren Jahrhunderten in den meisten Apotheken erhältlich und wurden als Stärkungs- und Kräftigungsmittel eingesetzt.

 

Wo findet man Brennnesseln?
In Europa zeigen Brennnesseln eine starke Verbindung zum Aufenthalt von Menschen und zu Gebäuden. Die Anwesenheit der Brennessel ist ein Zeichen dafür, dass ein Gebäude leer steht.
Die Brennnessel, insbesondere die Kleine Brennnessel, kommt auf Schuttplätzen oder in Gärten ebenso vor wie in Gemüsekulturen, an Abfallplätzen und vor allem in Dörfern.

Ein starker Brennnesselwuchs gilt allgemein als ein Indikator für stickstoffreichen Boden.

 

Wie wirken Brennnesseln?
Brennnesselblätter oder -kraut werden zur unterstützenden Behandlung bei rheumatischen Beschwerden, zur Durch­spülungstherapie bei Entzündungen der ableitenden Harnwege sowie zur Vor­beu­gung und Behandlung von Nierengrieß eingesetzt. In der Volksheilkunde verwendet man die Droge für Frühjahrs- bzw. Entschlackungskuren, aber auch bei Arthritis, Gicht, Podagra, Rheuma, Diabetes, Hämorrhagien, Verschleimung von Brust und Lunge sowie äußerlich zur Wundbehandlung, zur Blutstillung, bei Fisteln und Fu­run­keln, Asthma und Rippenfellentzündung.

Brennnesselwurzeln und -wurzelstöcke werden bei Miktionsbeschwerden in den Anfangsstadien der benignen Prostatahyperplasie eingesetzt. Die Wirksamkeit dafür sowie bei Arthritis wurde in kontrollierten klinischen Studien bestätigt.
In der Arthritisbehandlung kann die Dosis von nicht-steroidalen Entzündungshemmern bei gleichzeitiger Gabe von Urtica reduziert werden.

 

Brennnesseln sollten bei Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe als Folge einer Herz- oder Nierenschwäche) nicht verwendet werden.

Extrakte der Wurzel sind Bestandteil einiger Urologika, oft in Kombination mit Birkenblättern, Bärentraubenblättern, Hagebutten, Schachtelhalm, Goldrute, Hauhechel oder Ingwer. Die Volksheilkunde setzt die Wurzeldroge zur Blut­reinigung, gegen Wassersucht, bei Prostatitis, Rheuma und Gicht ähnlich wie Bren­nnes­sel­kraut ein.

Zusammengefasst noch einmal die Anwendungsgebiete für Brennnesseln:
Die Blätter haben eine leicht harntreibende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung.
Die Phytosterole der Wurzeln haben eine Wechselwirkung mit dem Androgenrezeptor und mit den Enzymen 5α-Reductase und Aromatase. Die Wechselwirkung mit dem Androgenrezeptor ist möglicherweise der Grund dafür, dass Brennnesselextrakte als Zusatz zu Shampoos, Haarwässern und Haarwuchsmitteln verwendet werden, da ein Verlust der Bindungsfähigkeit des Androgenrezeptors an Steroidhormone und andere Bindungspartner zu erblich bedingten Erkrankungen wie Haarausfall führen kann.

Die Brennnessel-Lektine weisen anscheinend eine immunstimulierende Wirkung auf.

Brennnessel wirkt appetitanregend, blutstillend, gegen Durchfall, fördert die Blutbildung, ist haarwuchsfördernd, wirkt gegen Harnwegserkrankungen, ist schleimlösend, stoffwechselanregend (stimuliert die Verdauungsdrüsen), wirkt gegen Rheuma, ist blutreinigend bei Hautkrankheiten, milchbildend, blutzuckersenkend und entgiftend.

 

Welche Wirkstoffe enthält Brennnessel?

Brennnesselblätter und -kraut: Mineralien und Spuren­ele­mente, β-Sitosterin (β-Sitosterol) [s. Abb.], 1-2% Flavonoide (bis 0,6 %), unter anderem Quercetin-Glykoside, besonders Rutin, sowie Kämpferolglykoside wie Astragalin, orga­nische Säuren (unter anderem Kaffeesäure und Kaffeoyläpfelsäure), in den Brennhaaren weiterhin Scopoletin, Acetylcholin, Histamin und Serotonin. Weitere Bestandteile sind ätherisches Öl, Vitamine (u.a. Vitamin C, B-Komplex, K), Caro­tino­ide, Steroide, Triterpene, Proteine, 1 bis 4 % Silikate.
Brennnesselwurzel und -wurzelstock: Steroide, β-Sitosterol und Glykoside, Oleanolsäure, Homovanillylalkohol und sein 4'-O-β-D-Glucosid, Lignane; Scopoletin, Mineralien, Lektine, Polysaccharide.

 

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Für Heilzwecke werden frische oder getrocknete Brennnesselblätter (Urticae folium), getrocknetes Brennnesselkraut (Urticae herba) und getrocknete Wurzel (Urticae radix) verwendet. Die Anwendung erfolgt als Tees, Extrakte oder Fertigpräparate.

Verschiedenes
Als Frühjahrsgemüse (Salat) schätzt man die jungen Brennnesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Silizium, Provitamin A und Vitamin C (etwa 7x mehr Vitamin C als eine Orange!), Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts.

Auch als Tierfutter, besonders zur Kükenaufzucht, wird frische Brennnessel verwendet.

Lange Zeit wurde die Brennnessel als Färbekraut verwendet. Nach Vorbeizen mit Alaun kann man Wolle mit ihrer Wurzel wachsgelb färben. Mit einer Zinnvorbeize, Kupfernachbeize und einem Ammoniak-Entwicklungsbad erzielt man mit den oberirdischen Teile ein kräftiges Graugrün. Für 100 Gramm Wolle benötigt man etwa 600 Gramm Brennnessel, wobei der Farbton vom Zeitpunkt des Pflückens und Färbens abhängen kann. Deshalb ist die Technik bei der Massenproduktion von Textilien in Vergessenheit geraten.

Brennnesseln werden insbesondere im biologischen Gartenbau und bei Hobbygärtnern vielfältig eingesetzt. Durch einen Kaltwasserauszug (nur 24 Stunden angesetzt) als Pflanzenstärkungsmittel werden durch die enthaltene Kieselsäure (Silikate) die Zellwände der damit gegossenen Pflanzen gefestigt und sie werden auf diese Weise gegen den Befall durch beißende und saugende Insekten geschützt. Eine Brennnesseljauche löst zusätzlich den Stickstoff der Brennnessel sowie Spurenelemente heraus und hat dadurch eine Düngewirkung. Anfallende Reste können im Kompost verwertet werden.

In Frankreich wurde mit Erlass vom 1. Juli 2006 der Verkauf, der Besitz und die Herstellung von nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln bei Strafe verboten.

Am 21. November 2006 billigte der Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung einen Entwurf zur Änderung des Wassergesetzes, damit die Verwendung von „natürlichen Präparaten aus handwerklicher Fertigung“, wie Brennnessel-Dünger, ermöglicht wird.
Erst mit der Verordnung vom 18. April 2011 mit dem Titel „Genehmigung des Inverkehrbringens von hausgemachter Brennnessel – Jauche zur Verwendung im Pflanzenschutz“ wurde der Gebrauch wieder legalisiert.

 


Dr.FrankHerfurth1.jpg

Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a, 50859 Köln, 
Tel.: 02234-9878810 - Fax: 02234-9878813
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - Internet: www.fhherfurth.de





Quelle: http://de.wikipedia.org