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Roter Fingerhut - Digitalis purpurea

 

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Bei den Fingerhüten handelt es sich um eine Pflanzenart aus der Gattung der Fingerhüte (Digitalis) in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Die bekannteste Pflanze dieser Gruppe ist der Rote Fingerhut, der ebenso wie die verwandten Arten Großblütiger Fingerhut (D. grandiflora), Gelber Fingerhut (D. lutea) und Wolliger Fingerhut (D. lanata) stark giftig ist. Im Altertum war die Pflanze weitgehend unbekannt. Zwar soll schon im 5. Jahrhundert der Fingerhut in Irland heilkundlich genutzt worden sein, aber erst aus dem 12. und 13. Jahrhundert ist eine Rezeptsammlung in walisischer Sprache bekannt, in der die äußerliche Anwendung der Blätter beschrieben wurde.

 Beheimatet ist der Rote Fingerhut in Westeuropa sowie im westlichen Süd-, Mittel- und Nordeuropa und in Marokko. Die Pflanze wächst vorwiegend in größeren Gruppen auf Kahlschlägen, Waldwegen und Lichtungen an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Die Böden sind humusreich und vorwiegend kalkarm, sauer und locker. Der Name Digitalis leitet sich vom lateinischen digitus = Finger bzw. digitabulum = Fingerhut ab.

Warnhinweis: 

Alle Pflanzenteile sind hochgiftig. So kann bereits der Verzehr von zwei Blättern zu einer tödlichen Vergiftung führen. Der Rote Fingerhut war im Jahr 2007 Giftpflanze des Jahres.

Woran erkennt man den Roten Fingerhut?

Der Rote Fingerhut wird 30 - 200 cm hoch und blüht von Juni - August. Die Blüten sind rot und  manchmal auch weiß. Die Laubblätter sind grundständig, bis 20 cm lang und lang gestielt mit einem keilförmig verschmälerten Blattgrund. Die Blätter sind in Spiralform angeordnet, und zwar so, dass das sechste Blatt direkt über dem ersten steht. Der Blattrand ist kerbig gesägt. Im endständigen Blütenstand sind 50 - 200 Blüten traubig angeordnet. Diese blühen von unten nach oben und werden vorwiegend von Hummeln bestäubt. In Ermangelung von Insekten können sich die Blüten aber auch selbst bestäuben. Die hellpurpurroten Blüten sind innen dunkel punktiert und gefleckt. Die Punkte und Flecken sind von einem weißen Hof umgeben.

Wie wirkt der Rote Fingerhut?

Der rote Fingerhut ist eine Heil- und Giftpflanze. Die aktive Wirkstoffe stammen aus den Blättern und finden vorwiegend als Fertigarzneimittel Verwendung. Die Droge selbst wird kaum noch eingesetzt, da die therapeutische Breite sehr gering ist. In Fertigarzneimitteln werden überwiegend Digitalisglykoside eingesetzt. Diese erhöhen die Kontraktionskraft und -geschwindigkeit des Herzens und senken die Herzfrequenz. Weiterhin beeinflussen Sie die Erregungsleitung (Verzögerung) und die Erregbarkeit (Erhöhung). Der Abbau der Glykoside erfolgt relativ langsam, die Halbwertszeit liegt bei 7 – 8 Tagen. Trotz seiner starken Giftigwirkung werden die Wirkstoffe weltweit von Ärzten bei Herzschwäche verordnet. Die Digitalisglykoside gelten als die besten herzstärkenden Mittel. In der Volksheilkunde muss man aufgrund der Giftigkeit jedoch auf den Einsatz des Fingerhutes verzichten, außer man setzt ihn als Homöopathikum ein.

Dieses kann bei Herzschwäche, Nieren- und Blasenleiden sowie Nierenschwäche ebenso eingesetzt werden wie gegen Depressionen, Schlafstörungen und Migräne mit schwerer Übelkeit. Auch bei Leberschwellungen, Gelbsucht und Prostataleiden findet der Rote Fingerhut als Homöopathikum Verwendung.

Zusammengefasst die Wirkungen des Roten Fingerhuts sowie mögliche Vergiftungserscheinungen

 Einsatz früher

  • Abzesse
  • Bronchitis
  • Fieber
  • Furunkel
  • Gicht
  • Kopfschmerzen
  • Lungenentzündung
  • Tuberkulose
  • Unterleibszysten
  • Wassersucht und
  • Wunden

Einsatz als Homöopathikum

  • Geschwollene Füße
  • Herzasthma
  • Herzinsuffizienz
  • Kurzatmigkeit
  • Migräne
  • Prostatahypertrophie
  • Schlafstörungen

Vergiftungserscheinungen

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
    Ödeme
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden

Welche Wirkstoffe sind im Roten Fingerhut enthalten?

Der Rote Fingerhut enthält mehr als 30 verschiedene herzwirksame Glykoside wie Digitalis (s. Formel), Digitoxin Purpureaglykoside A und B, Gitoxin, Gitaloxin und Verodoxin. Nicht enthalten ist Digoxin, dies findet sich nur im wolligen Fingerhut (Digitalis lanata).

Weiterhin sind  etwa 1 % Digitanolglykoside und ebenfalls ca. 1 % Steroidsaponine enthalten.

Darüber hinaus findet man Schleimstoffe, Flavonoide, Enzyme und Gerbstoffe sowie Acetylcholin, Cholin, Gallussäure und Inositol. Nur in verschriebenen Fertigpräparaten oder homöopathisch (ab D4) anwenden.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Als Arzneidroge finden die getrockneten Blätter von Digitalis-purpurea (Digitalis purpurea folium) Verwendung. Das Arzneibuch fordert einen Mindestgehalt an Cardenolidglykosiden, die als Digitoxin  berechnet werden. Aus den Blättern werden Extrakte, Pulver und Tinkturen mit eingestelltem Wirkstoffgehalt zubereitet. Der Fingerhut wurde in der Vergangenheit für Giftmorde und Suizide missbraucht.

 

Verschiedenes

Man nannte die Pflanze im 5. Jahrhundert in Irland "Frairie`s Herb" und versuchte mit ihr "verhexte" Kinder zu heilen, was oft tödlich endete. Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Fingerhut in England angewandt und fand 1650 Eingang in die Londoner Pharmakopöe. Man gebrauchte die Pflanze damals zur Behandlung von Geschwüren. Leonhard Fuchs und Hieronymus erwähnten den Fingerhut als Brech- und Abführmittel. Diese Wirkungen beruhten auf Vergiftungen und es kam auch zu Todesfällen. Der Fingerhut geriet dadurch als Droge in Verruf. Im Jahre 1786 entdeckte der Schotte William Withering die richtige Dosierung sowie die herzstärkende Wirkung der Pflanze, nachdem er sie zuerst bei Wassersucht verwendete.

 


Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a
50859 Köln

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