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Medizin im alten Ägypten

Medizin im alten Ägypten

Aus dem alten Ägypten wurden 13 Schrift(roll)en (Papyri) überliefert, die sich mit medizinischen Themen befassen. Die umfangreichste davon ist der Papyrus Ebers, der nach seinem Finder Georg Ebers benannt wurde.
Er gilt gleichzeitig als eine der ältesten überlieferten Quellen medizinischer Texte weltweit und besteht aus 108 Kolumnen, die Schriftrolle weist eine Länge von etwa 19 Metern auf.
Die Texte enthalten viele Fallbeispiele, so sind Beispiele für Operationstechniken angeführt und die Schriftrolle enthält eine Rezeptsammlung.

Weitere Schriften sind die Lahun-Papyri mit gynäkologischen Rezepten, der Papyrus Edwin Smith (bekannt auch als Wundenbuch), der Papyrus Hearst mit Rezepten zu eitrigen Entzündungen, Zahn- und Darmerkrankungen, der Papyrus London (mit einem hohen Anteil an Zaubersprüchen und Angaben zur Behandlung von Frauenleiden) und der sogenannte Papyrus Brugsch oder Großer Berliner Papyrus mit dem Thema Gefäßerkrankungen.

Als Begründer der Medizin im alten Ägypten wird der Legende nach der Beamte und Hohepriester Imhotep (s. Bild 1) angesehen, der um 2700 v. Chr. ein hoher Würdenträger unter dem König Djoser (Pharao der 3. Dynastie) war.
Erst in späteren Zeiten (Neues Reich Ägyptens ab der 18. Dynastie) hat sich ein starker Imhotep-Kult entwickelt.

Die inneren Organe

Bei den alten Ägyptern hatte das Herz einen besonderen Stellenwert. Es wurde nicht nur als zentrales Körperorgan angesehen, sondern galt auch als Sitz des Verstandes. Die vom Herzen ausgehenden Gefäße und Verzweigungen wurde mit dem Nil - dem zentralen Strom und Lebensspender - und seinen verzweigten Seitenkanälen verglichen.
Das Gefäßsystem sorgte dafür, dass die verschiedenen Körperpartien mit lebensnotwendigen Stoffen versorgt wurden und transportierte Ausscheidungen aus dem Körper hinaus. Der Mensch konnte nur gesund sein, wenn diese inneren Ströme ungehindert fließen konnten. Kamen diese Flüsse ins Stocken, war die Versorgung des Körpers nicht mehr gesichert und es konnten sich Krankheiten entwickeln.
Die Gefäße wurden von den Ägyptern als metu = Kanäle bezeichnet. Ebenfalls zu den Kanälen gehörten die Hohlorgane, mit deren Hilfe nicht mehr benötigte Stoffe wie Kot, Harn u.ä. aus dem Körper hinausgeleitet wurden.

Obwohl den Ägyptern wenig über die Existenz (und damit der Funktion) der Nieren bekannt war und sie das Herz als Treffpunkt verschiedener Gefäße des Körpers mit ihren Flüssigkeiten betrachtet haben, war ihnen nicht nur das Vorhandensein von Blutgefäßen im ganzen Körper bekannt, sondern auch die Funktion des Herzen als dessen Zentrum. Zu den Körperflüssigkeiten zählten bei den Ägyptern neben dem Blut auch Tränen, Urin und Sperma.

Ernährung und Gesundheit

Als eine der Hauptursachen für Erkrankungen des Gefäßsystems haben die Ägypter eine falsche Ernährung angesehen. Wenn die Ernährung und damit auch die Verdauung nicht ordnungsgemäß erfolgten, bildeten sich „Schleim- und Schmerzstoffe“, die zu einem Stau in den Gefäßen führten und die Versorgung gefährdeten.
Als Gegenmittel zur Bekämpfung solcher Staus wurden dann auch häufig Brechmittel, Abführmittel und Einläufe verordnet.
Zu den Kanälen zählten die Ägypter auch solche Strukturen wie Muskelstränge, Sehnen und Nerven.
Die Lehre der Ägypter von den Gefäßen und den darin fließenden Säften wurde später von den Griechen in der Säfte- und Pneumalehre aufgegriffen.

Den alten Ägyptern war es schon sehr gut möglich, zwischen krankhaften und gesunden Zuständen zu unterscheiden. Oftmals wurde ein Nicht-Funktionieren der betroffenen Körperteile als Krankheit empfunden. Das war in der Regel mit Schmerzen verbunden. Dabei wurde zwischen stechenden Schmerzen (mit dem Ausdruck meret bezeichnet) und Leiden (als menet ausgedrückt) unterschieden.

Auch kannten die Ägypter schon einen Unterschied zwischen äußeren und inneren Krankheiten.

Besondere Beachtung fanden alle möglichen und häufigen Verletzungen, Knochenbrüche und Wunden, was zu einem fundierten Wissen chirurgischer Kenntnisse führte.
Im Übrigen galt bei den alten Ägyptern das Auftreten von Runzeln und anderen Alterungserscheinungen als Krankheit.

Die Erwähnung einer Staublunge bei Steinmetzen im Papyrus Ebers gilt als ältestes Zeugnis der Arbeitsmedizin.

Für unterschiedliche Krankheiten waren bereits spezielle „Fachärzte“ bekannt, wie Spezialisten für Gynäkologie und Geburtshilfe, Augen- und Zahnärzte und Spezialisten für Vergiftungen.

Der Papyrus Ebers enthält auch bereits ein kurzes Kapitel über Depressionen.

Neben Kopfschmerzen und Migräne galt besondere Aufmerksamkeit der Behandlung der Augen wegen der oft damit verbundenen Erblindung, aber auch Erkrankungen der Zähne, der Zunge und des gesamten Mundraums sowie der Ohren wegen der möglicherweise folgenden Taubheit.

In den Schriften sind zahlreiche Rezepte überliefert, die insbesondere der Erkrankung der Augen gewidmet sind.
Augenkrankheiten waren wegen der häufigen Sandstürme und Insekten so häufig, dass Ägypten als das klassische Land der Augenkrankheiten gilt.
Einen besonderen Raum nahmen auch empfängnisverhütende Mittel, Mittel zur Steigerung der Fruchtbarkeit und die Behandlung von Unterleibsschmerzen bei Frauen ein.

Medizin im alten Ägypten

Wie weit die chirurgischen Kenntnisse der alten Ägypter reichten, lässt sich aus der Tatsache erkennen, dass an vielen Mumien Amputationen oder Prothesen aus Holz feststellbar waren.
Sogar Schädeltrepanationen wurden, wie man nachweisen konnte, mit Erfolg durchgeführt, d.h. man konnte an den Knochen feststellen, dass der Patient nach dem Eingriff noch einige Jahre gelebt hat.

 

Bei der Vielfalt der chirurgischen Techniken ist es nicht verwunderlich, dass sehr viele auch spezielle Instrumente verwendet wurden (wie die verschiedensten Messer oder Schneidwerkzeuge, Bohrer, Zangen oder Pinzetten (letztere beiden aus Leder oder Tierhaut).

Zur Behandlung von Husten wurden spezielle Inhaliergeräte entwickelt, die aus heißen Steinen, einem Topf, einem Schilfrohr und einem Heilmittel bestanden.

Bei der Vielzahl der chirurgischen Eingriffe war es natürlich notwendig, auch Verbandsmaterial zu einzusetzen.
So wurden Binden aus einem fetet genannten Faserstoff in unterschiedlichen Größen und von unterschiedlicher Feinheit verwendet. Oft wurde dieser Faserstoff noch mit Honig, Salbe oder Öl beschichtet und aufgelegt. Der Verband konnte aber auch trocken angelegt werden.
Es gab verschiedene Faserteile, die alle von der debit-Pflanze stammten und die man mit unserer heutigen Gaze oder mit (Mull-)Tupfern vergleichen kann.

 

 


Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a, 50859 Köln, 
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