NATURHEILKUNDE aktuell

(19 Bewertungen, durchschnittlich 4.63 von 5)

Zungendiagnose in der TCM

Zungendiagnose in der TCM

Die Zungendiagnose ist ein Jahrtausend altes Diagnose- und Untersuchungsverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Durch diese lange Entwicklung konnte der Zusammenhang zwischen Krankheiten und energetischen Veränderungen der Zunge immer klarer herausgestellt werden. Die Zungendiagnostik gehört, neben der Befragung, Betrachtung und der Pulsdiagnose zu den Hauptdiagnoseverfahren der TCM. Die Chinesische Medizin geht davon aus, dass die Zunge mit den inneren Organen, dem Blut, den Körperflüssigkeiten, dem Meridiansystem und der Lebensenergie Qi eng verknüpft ist. Die Zungenoberfläche wird in verschiedene Bereiche unterteilt, auf der sich die Organe wiederfinden. Der vordere Teile der Zunge repräsentiert den oberen Erwärmer mit Herz/Lunge, in mittleren Bereich befindet sich der mittlere Erwärmer mit Milz/Magen in der Mitte und Galle/Leber an den Seiten und ganz hinten am Zungengrund befindet sich der untere Erwärmer mit Harnblase, Niere und Darm (Siehe nachfolgende Grafik).

Zungendiagnose in der TCM

Das Aussehen der Zunge ist abhängig vom energetischen und materiellen Zustand der Organe, vom Zustand des Blutes und der Lebensenergie (Qi) im Körper. Leitsymptome für einen Mangel an Blut und Qi sind eine helle, blasse und dünne Zunge, da nicht genügend Qi und Blut die Zunge erreichen kann.

Verschiedene Meridiane und deren innere Verläufe führen direkt zur Zunge und beeinflussen dadurch ihr Aussehen. Der Milz-Meridian zum Beispiel breitet sich unter der Zungenunterseite aus. Die Milz verarbeitet die Nahrung und ist an der Blutbildung beteiligt. Sie gibt der Zunge ihre Form und ihre Farbe. Ein Ast des Herz-Meridians verläuft über die Speiseröhre zur Zungenspitze. Das Herz lässt das Blut zirkulieren und ist unter anderem auch für die Sprache zuständig. Der Magen als Quelle der Flüssigkeiten ist verantwortlich für den Zungenbelag und die Feuchtigkeit der Zunge. Bei einer Magenschwäche fehlt der Zungenbelag und die Zunge bekommt Risse, vor allem in der Mitte. Bei einer Milzschwäche kann nicht ausreichend Blut gebildet werden und die Zunge wird blass. Die Milz ist außerdem für die Transformation der Flüssigkeiten zuständig, sodass es bei einer Milzschwäche zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper kommt, die sich auf der Zunge als seitliche Zahnmarken (ursächlich dafür kann auch ein zu enger Kiefer sein), Nässe der Zunge und einer geschwollenen Zunge, zeigt.

Verschiedene Aspekte bei der Inspektion der Zunge sollten zusätzliche Beachtung finden. Die Beschaffenheit des Zungenbelages und die Farbe der Zunge kann sich durch Medikamenteneinnahmen verändern, z.B. durch Antibiotika (der Zungenbelag schält sich ab) oder durch Diuretika (wasserausscheidende Medikamente, der Belag fehlt ganz) oder während einer Chemotherapie (dicker, trockener, schwarzer Zungenbelag). Auch andere Aspekte können eine Rolle spielen, z.B. wenn kurz vor der Inspektion der Zunge Nahrungsmittel eingenommen wurden, die die Zunge färben, wie z.B. rote Beete, roter Saft, Kaffee, Bonbons, Tabak.

Wichtig bei der Untersuchung der Zunge ist als erstes der Gesamteindruck. Hat sie Energie oder ist sie eher steif oder schlaff? Wie sind der Belag und die Farbe, hat die Zunge Erhebungen oder Risse, ist sie groß oder klein im Vergleich zum Körperbau? Wie ist ihre Form? Ist sie dünn, geschwollen oder einseitig geschwollen? Wie ist die Beweglichkeit, ist sie zittrig, macht sie unwillkürliche Bewegungen? Kann die Zunge beim Herausstrecken in der Mitte gehalten werden oder kippt sie zu einer Seite (das kann ein Hinweis auf einen bevorstehenden Schlaganfall sein, bitte sofort einen Arzt konsultieren. Wie sehen die Venen auf der Unterseite der Zunge aus, sind diese gestaut? Weiter wird die Farbe des Zungenkörpers betrachtet. Die Farbe des Zungenkörpers gibt Aufschlüsse über den Zustand des Körpers und ist der wichtigste Aspekt der Zungendiagnose. Die Zungenkörperfarbe ist unabhängig von kurzfristigen Veränderungen wie Stress oder körperlicher Anstrengung. Die Farbe des Zungenkörpers kann sehr unterschiedlich sein, von blass (Blutarmut, Qi-Mangel), über Rot (Hitze im Körper – Fieber, Wasserverlust, Vitaminmangel über eine lange Zeit oder eine bakterielle Erkrankung) bis zu livide und Blau (Kälte im Körper oder in den Meridianen oder starke Stagnationen im Körper – Hinweis auf Leber-, Galle- oder Herzerkrankungen).

Wichtig ist dann die Beschaffenheit des Zungenkörpers, ist die Zunge dick, dünn, geschwollen, kurz oder lang. Eine dicke, geschwollene Zunge kann Hinweise auf eine Feuchtigkeitsretention geben, wie sie zum Beispiel bei Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen auftreten kann. Eine dünne Zunge weist oft auf einen Blutmangel hin, wie wir sie zum Beispiel bei einer Anämie finden. Gibt es auf der Zungenoberfläche Risse, Erhebungen oder Geschwüre in den jeweiligen Abschnitten der Organe? Der Zungenbelag gibt Auskunft über den energetischen Zustand des Körpers, ist mehr Hitze oder Kälte vorhanden. Dabei wird die Farbe des Belags inspiziert. Gelber Belag ist ein Zeichen für Hitze, weißer Belag zeigt Kälte an. Die Dicke des Belags gibt Auskunft über die Stärke der Erkrankung. Je dicker der Belag desto stärker der Erkrankungsfaktor (Wind, Hitze, Kälte, etc.) im Körper. Auch die Verteilung des Belags in Bezug auf die Organe ist von Bedeutung. Es können verschiedene Belagfarben auf der Zunge vorhanden sein. Dies zeigt an, ob sich eine Erkrankung ins Körperinnere ausbreitet oder ob sie nach außen gedrängt wird. Ein lokal begrenzter Zungenbelag kann auch ein Indiz dafür sein, dass das energetische Ungleichgewicht auf bestimmte Organe lokal begrenzt ist.

 

Thomas Kuhnhenne

Thomas Kuhnhenne
www.nhz-dortmund.de