NATURHEILKUNDE aktuell

(0 Bewertungen, durchschnittlich 0 von 5)

Ringelblume - Calendula officinalis

Ringelblume - Calendula officinalis

Butterblume, Dotterblume, Feminell, Gartendotterblume, Goldblume, Goldrose, Ingelblum, Marienrose, Regenblume, Rinderblume, Ringelrose, Ringula, Ringella, Sonnenbraut, Sonnenwendblume, Studentenblume, Totenblume, Warzenkraut, Weckbröselchen, Weckbröseln, Wucherblume

Es wird angenommen, dass die heute wild vorkommenden Pflanzen aus Gärten ausgewildert sind.

Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Angaben, so wird "Calendula" zurückgeführt auf die Tatsache, dass durch das Öffnen und Schließen der Blüten der Lauf der Sonne angegeben wird. Rin-gelblume heißt die Pflanze wegen der ringförmig gewundenen Früchte.

 

Im Jahr 2009 war die Ringelblume Heilpflanze des Jahres.

Woran erkennt man die Ringelblume?
Es handelt sich um eine einjährige krautige Pflanze, selten (in milden Lagen) überwintert sie. Die Wurzel ist spindelförmig und faserreich. Der Stängel erreicht meist Höhen von 30 bis 60 cm. Er ist kantig, behaart, wächst aufrecht und ist nur selten (und dann im oberen Bereich) verzweigt.

Die Laubblätter sind ebenfalls behaart, ganzrandig, ungestielt und länglich lanzettlich bis verkehrt-eiförmig. Die Farbe ist mittel- bis hellgrün, sie sind 3 bis 12 cm lang und 1 bis 3 cm breit.

Die Blütenkörbe stehen einzeln an beblätterten, langen Blütenstandsstielen und haben einen Durch-messer von bis zu 4 cm. Im Inneren der Körbe stehen 30 bis 50 zwittrige Röhrenblüten, außen 60 bis über 150 weibliche, fruchtbaredottergelbe bis orangegelbe Zungenblüten.

Es gibt ungefüllte und auch gefüllte Blüten.
Die Hüllblätter sind 10 bis 12 mm lang. Die Blütezeit dauert von Mai bis Oktober (in einigen Gebieten bis Weihnachten), ein Einzelköpfchen blüht meist vier bis fünf Tage lang.

Wo findet man die Ringelblume?
Die Ringelblume wird in Mitteleuropa schon seit dem 12. Jahrhundert angebaut, heute vor allem in Deutschland und den Niederlanden. Weitere Anbaugebiete sind Ägypten, Ungarn, Polen und die Bal-kanländer. Angebaut werden vor allem Sorten mit gefüllten Blüten (s. Bild).

An den Standort stellt sie keine besonderen Ansprüche, am besten gedeiht sie auf gut versorgten Lehmböden. Zu starke Stickstoffdüngung oder Mangel an Phosphor und Kalium führen zu vermindertem Blütenansatz. Sie wächst auch in Gärten als Zier- und/oder Heilpflanze. Manchmal kommt die Ringelblume auch verwildert vor.

Wie wirkt die Ringelblume?

Die Wirkung der Blüten ist antimikrobiell, antiphlogistisch, wundheilungsfördernd, sedativ, hypotensiv und östrogenartig.
Es ist bekannt, dass Extrakte aus Ringelblumenblüten zur Bildung von frischem Bindegewebe und kleinen Blutgefäßen auf Wunden (Granulationsgewebe) beitragen und immunstimulierende Eigen-schaften aufweisen.
Bei Magen- und Darmbeschwerden und bei Dysmenorrhoe werden Ringelblumenblüten innerlich angewendet.
Äußerliche Anwendung finden sie bei Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden, bei Quet-schungen, Furunkeln und Ausschlägen.
Auf einer frischen oder nur schwer heilenden Wunde kann die Heilwirkung durch getrocknete, ein-geweichte und auf die Wunde gelegte Blüten so schnell auftreten, dass man dabei zusehen kann!

Durch das Fehlen von Sesquiterpenlactonen sind irritative oder allergische Reaktionen im Vergleich zu anderen Vertretern der Korbblütler selten.

Das Ringelblumenkraut wird in der Volksheilkunde als Choleretikum sowie äusserlich zur Wundbe-handlung, bei Flechten und als Gurgelwasser eingesetzt.
Auch bei Angina, hohem Blutdruck, Husten, Krämpfen und unregelmässiger Menses wird die Pflanze eingesetzt.

Zusammengefasst noch einmal einige Anwendungsgebiete für die Ringelblume:
•    Haut: Afterjucken, leichte Brandwunden, Ekzeme, Erysipel, Furunkel, Gürtelrose, Blutergüsse, Son-nenbrand, Wunden, Dekubitus (Wundliegen), Schnittwunden
•    Magen-Darm-Trakt: Brechreiz, Gallenbeschwerden, Leberschwäche, allgemeine Magen- und Darmstörungen,
•    Sonstige Beschwerden: Geschwollene Lymphknoten, Kopfschmerzen, Hämorrhoiden, Krampfadern, Menstruations-schmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Schlaflosigkeit, Phantomschmerzen, Schwindel,

Welche Wirkstoffe enthält die Ringelblume?
Triterpensaponine (2 - 10%), Triterpenalkohole (Taraxasterol, Faradiol, Arnidiol, Violaxanthin und Heliantriol) Sterole (Stigmasterol, Beta-Sitosterol), Carotinoide (bis zu 3 %), Flavonoide (bes. Glykoside des Quercetins und Isorhamnetins), Cumarine (Scopoletin), Polysaccharide mit rund 15 %, ätherisches Öl (0,2 bis 0,3%), Salizylsäure, Bitterstoffe.
Das fette Öl der Ringelblumenfrüchte enthält die sehr seltene Fettsäure Calendulasäure (die Zahl der Kohlenstoffatome entspricht der von Stearinsäure, Ölsäure, Linolsäure und α-Linolensäure, der Un-terschied zu letzterer ist die Stellung der Doppelbindungen).

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Pharmazeutisch werden die getrockneten ganzen, bzw. die zerkleinerten Blütenkörbchen, oder die getrockneten Zungenblüten verwendet, in der Volksheilkunde auch die gesamten oberirdischen Teile der Pflanze.

Ringelblumen werden in der Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben verabreicht.

Ringelblumentee: Zur Teezubereitung gibt man 1-3 g (entspricht etwa 2-4 Teelöffel) in ein Gefäß und übergießt mit siedendem Wasser, nach 5-10 Minuten wird durch ein Teesieb gefiltert.

Ringelblumentinktur: Wird sowohl äußerlich (für fast alle Hautbeschwerden, verdünnt z.B. als Kompresse) wie auch inner-lich verwendet.

1.    Die getrockneten Blüten in ein geeignetes Gefäß füllen (etwa halb gefüllt)
2.    Eine hochprozentige Spirituose über die Blüten gießen, bis sie reichlich bedeckt sind
3.    Das Gefäß verschließen und zwei bis drei Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen
4.    Nach dieser Zeit muss die Tinktur abgefiltert werden
5.    Dann kann man sie in eine dunkle Flasche füllen

Man kann die Ringelblumentinktur auch in selbstgemachte Cremes einarbeiten.

Ringelblumensalbe: Sie kann als fettreiche Allroundsalbe eingesetzt werden.

Meist wird Schweineschmalz als Fett und Konsistenzgeber verwendet. Das hat den Vorteil, dass sich die entstehende Salbe gut verstreichen lässt und gut einzieht.
Wer Schweineschmalz nicht mag oder verträgt, kann stattdessen auch eine Ringelblumensalbe mit Pflanzenöl und Bienenwachs zubereiten.

Zutaten:
70 gr. Schweineschmalz, ca. 6 gr. (7-8 Teelöffel) getrocknete Ringelblumen-Blüten

•    das abgewogene Schweineschmalz in Stücke schneiden und in einem möglichst kleinen Topf bei kleiner Flamme schmelzen bis das Schmalz vollständig geschmolzen ist.
•    soviel Ringelblumen-Blüten in das geschmolzene Schweineschmalz geben dass sie vollständig vom Fett bedeckt sind.
•    Dabei öfter umrühren.
•    bei kleiner Flamme etwa eine halbe Stunde vor sich hin simmern lassen.
•    anschließend vom Herd nehmen und über Nacht ziehen lassen.
•    am nächsten Tag wieder aufwärmen und schmelzen
•    Filterpapier oder ein dünnes Tuch in den Salbentiegel legen ( gut geeignet sind hierfür Teefilter-Tüten ).
•    das Salbenfett durch den Filter in den Salbentiegel gießen

Zuerst ist die Salbe noch flüssig und sonnengelb, nach dem Auskühlen ist sie fast weiß. Salbentiegel verschliessen und mit Inhalt und Datum beschriften .

In der Lebensmittelindustrie wurde und wird die Ringelblume als Farbstoff eingesetzt, unter ande-rem bei Käse, Fisch, Reis und Butter (heute nicht mehr in Deutschland). In Teemischungen dient sie oft als Schmuck- oder Verschönerungsdroge.
In der Vergangenheit diente sie zum Verfälschen von Safran (daher auch der Name "Arme-Leute-Safran").



Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a, 50859 Köln,
Tel.: 02234-9878810 - Fax: 02234-9878813
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - Internet: www.fhherfurth.de

Bildquelle: http://de.wikipedia.org