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Teenie-Sport „Koma-Saufen“

Koma-Saufen 

Alle wichtigen Facts & Infos über Sucht

Immer mehr Jugendliche trinken, bis der Arzt kommt. Das belegt eine neue Schock-Studie der Krankenkasse DAK. „Koma-Saufen“ heißt der Trendsport, der bei Jugendlichen immer beliebter wird. In Rheinland-Pfalz wurden im vergangenen Jahr über 1.660 solcher Fälle registriert, in Niedersachsen sogar mehr als 2.680. Allein in Berlin mussten 408 Kinder und Jugendliche nach schwerem Alkoholmissbrauch in ein Krankenhaus eingewiesen und dort teils lebensnotwendig versorgt werden.

Erschreckend auch folgende Gesamtstatistik: 2009 mussten sich über 30.000 Minderjährige in Deutschland in Kliniken behandeln lassen, weil sie sich ins Koma gesoffen haben. Die Zahlen für 2010 sind noch nicht ausgewertet, aber man rechnet mit einem Zuwachs von bis zu 10%.

„Suchtkarrieren beginnen in der Regel mit Alkohol oder Nikotin“, sagt DAK-Psychologe Frank Meiners, der dazu rät, dass der sorglose Umgang vieler junger Menschen mit legalen Drogen wie Bier, Schnaps oder Wein stärker als bisher in Familien, Schulen und Betrieben thematisiert werden muss. „Exzessives Trinken ist kein Ausweg, um Anforderungen in Job oder Schule auszugleichen“, so Meiners. Recht hat er, doch leider sehen das viele Jugendliche anders und greifen immer wieder und immer häufiger zum erstbesten Suchtmittel, um sich vom stressigen Alltag abzulenken.

In Nordrhein-Westfalen mussten 7% mehr Jugendliche volltrunken stationär aufgenommen werden als im Vorjahr, insgesamt 6.578. In Bayern stieg die Quote um 3,5% auf 5.316 Fälle, Baden-Württemberg mit einem Plus von 1,7% (4.028 Fälle) kam im Vergleich glimpflich davon. In allen genannten Ländern bedeuteten die Zuwächse gleichzeitig aber auch Höchststände.

Insgesamt sind mehr Jungen als Mädchen betroffen, die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen ist stärker vertreten als die der jüngeren Kinder. Im Vergleich zu 2003 haben aber die Jüngeren und auch die Mädchen überproportional zugelegt.

Michael Hübner, DAK-Landeschef Rheinland-Pfalz, ist schockiert über diese Entwicklung: „Die aktuellen Zahlen sind alarmierend. Wir müssen das Thema dringend auf den Stundenplan setzen.“

CDU-Gesundheits-Experte Jens Spahn fordert nun: „Die Eltern der Komasäufer-Kids müssen zahlen! Die stark steigende Zahl jugendlicher Koma-Säufer ist erschreckend! Jede Notaufnahme kostet viel Geld, daher sollten die Eltern der Kinder einen großen Teil der Behandlungskosten tragen müssen.“

Bei den ständig steigenden Kosten im Gesundheitssystem sind die Klinik-Kosten für Vollrausch-Behandlungen ein wahrlich großer Posten. Über die Kosten für Behandlungen der Spät- und Langzeitschäden bei den Teenagern gibt es noch keine genauen Zahlen. Spahn begründet seinen Vorstoß wie folgt: „Schließlich kommen die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nach, wenn sich 12- oder 13-Jährige ungestört ins Koma saufen können.“

Man sieht, dieses Thema ist hochbrisant und wird 2011 mit Sicherheit die Politiker enorm auf Trab halten. Dabei gilt es zu hinterfragen, warum immer mehr Jugendliche Koma-Saufen. Allgemeine Unzufriedenheit im Leben, Gruppenzwang, Trauer, Verlust einer wichtigen Bezugsperson, Perspektivenlosigkeit, Flucht, Angst – die Liste der möglichen Gründe ist lang. Das Problem ist: Die meisten Jugendlichen wissen nichts über die Auswirkungen von Alkohol, Zigaretten und Drogen auf Körper, Seele und Geist und konsumieren daher fröhlich weiter, bis es für sie im Krankenhaus oder auf der Bahre endet.

Hier muss frühzeitig interveniert und aufgeklärt werden, daher hier alle wichtigen Facts & Infos über Sucht:

Die Volkskrankheit Sucht wird gerne unterschätzt, doch aktuelle Studien belegen, dass etwa 8 von 10 volljährigen Deutschen nach irgendetwas süchtig sind. Wer nach etwas süchtig ist, ist verzweifelt auf der Suche nach etwas, was ihm fehlt (z.B. Liebe, Anerkennung, Respekt ...). Sucht wird als eine psychische und/oder körperliche Abhängigkeit von etwas verstanden.

Diagnosekriterien sind u.a.:

  • das Auftreten von Entzugssymptomen
  • Toleranzentwicklung
  • Kontrollverlust

Ein schädlicher Gebrauch einer Substanz entsteht, wenn deren Einnahme zu psychischen und/oder körperlichen Problemen führt. Psychische Abhängigkeit ist gekennzeichnet durch ein starkes, unwiderstehliches Verlangen („craving“) nach einer Droge bzw. Alkohol, körperliche Abhängigkeit durch einen Zustand des Organismus, in dem gegen die psychotrope Substanz eine Toleranz eingetreten ist und infolgedessen diese ständig zugeführt werden muss, um das Auftreten eines Entzugssyndroms zu verhindern. Toleranzentwicklung bedeutet, dass sich der Körper an die Zufuhr von Alkohol bzw. Drogen gewöhnt hat. Die Menge der Droge muss erhöht werden, um denselben Effekt wie vor der Toleranzentwicklung zu erzielen. Beim plötzlichen Absetzen der Substanz kommt es zu Entzugserscheinungen, die meist zu weiterer Substanzeinnahme zwingen.

Jede Substanz hat ihr individuelles Suchtpotenzial. Das Suchtpotenzial einer Substanz ist umso höher, je mehr Menschen davon abhängig werden und je schneller die Abhängigkeitsentwicklung erfolgt.

 

Multifaktorielle Genese

Bei der Entstehung von Abhängigkeit und Sucht spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Wir sprechen von einer multifaktoriellen Genese. Studien haben ergeben, dass Abhängigkeitserkrankungen überzufällig häufig bei Mitgliedern derselben Familie auftreten (genetische Faktoren). Ebenso spielen Umweltfaktoren, Lern- und Konditionierungsprozesse eine Rolle. Viele werden schwach, wenn das Suchtverhalten sozial verstärkt wird und vermehrte Anerkennung damit verbunden ist (= positive Verstärkung).

Abhängigkeitserkrankungen kommen in allen Schichten in vergleichbarem Maße vor. Bei jedem zweiten Suchtpatienten findet sich eine weitere psychiatrische Erkrankung. Am häufigsten: Persönlichkeitsstörungen, depressive Störungen, Angststörungen.

In vielen Fällen beginnt die Sucht damit, die bereits vorliegende psychiatrische Erkrankung selbst zu behandeln. In der Vorgeschichte finden sich häufig:

  • Überforderungssituationen
  • Stressbelastung
  • Leistungsdruck
  • chronische Schlafstörungen
  • Schmerzzustände
  • Falsche Vorbilder

 

Lesen Sie weiter: Die Alkoholsucht - noch ein Schluck zum Abgrund

 

abbas-schirmohammadi

HP PSY Abbas Schirmohammadi

Heilpraktiker für Psychotherapie, Dipl. Personality Coach,
Sucht-Experte, mehrfacher Buchautor

 

 

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