PSYCHOLOGIE aktuell

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Generation 2000 – Warum Jugendliche durchdrehen

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Schoolshooting – so scheint die neue Trendsportart von Jugendlichen zu heißen. Am PC vorgespielt und dann in der Realität umgesetzt. Amokläufe an Schulen von jungen Menschen gegen Erwachsene und Gleichaltrige mit meist tödlichem Ende – immer wieder kommt es zu solch hirnverbrannten Taten geistig gestörter oder beminderter Jugendlicher.

Oft sind starke Kränkungen, Demütigungen, Trennungen oder Versagungen Grund für die Entscheidung des Betroffenen, sich mit einem Amoklauf an „Schuldigen“ und/oder auch Unschuldigen zu rächen. Bereits 2002 waren weltweit über 70 Fälle an Schoolshooting registriert, in den letzten Jahren sorgten in Deutschland besonders die Amokläufe von Emsdetten (November 2006, 37 Verletzte), Winnenden (März 2009, 17 Tote, 11 Verletzte) und Ansbach (September 2009, 10 Verletzte) für erschütternde Schlagzeilen. Was ist der Grund für solche Fehlentwicklungen? Was kann getan werden?

killerspiel

Bekannt ist, dass viele jugendliche Amokläufer am PC zur Killermaschine mutieren. Ego-Shooterspiele wie „Far Cry 2“, das Tim K., der 17-Jährige Amokläufer von Winnenden, am Abend vor seiner Tat stundenlang spielte, könnten verboten werden. Killerspiele wie „Counter Strike” und „Tactical Ops”, die in dber „Szene“ genauso beliebt sind und bereits Kultstatus erlangt haben, ebenfalls. Experimentelle Studien und Beobachtungen belegen klar und deutlich, dass der häufige Konsum von PC-Killer- und Gewaltspielen die Aggressionsbereitschaft erhöht, die Empathiefähigkeit und Frustrationstoleranz senkt, Emotionen abstumpfen lässt, kreatives Problemlösen reduziert, eine „virtuelle Regression“ mit Rückzug aus der Realität in omnipotente Größenphantasien mit narzisstischer Aufwertung und Unverletzlichkeit (z.B. 3 Leben im Spiel) auslöst u.v.m. Dann das Waffengesetz, das z.B. das Führen von Messern erlaubt. Ein Paragraph aus dem Jahr 2001 sprach sich sogar für privaten Waffenbesitz aus. 2002, nach dem Amoklauf in Erfurt, versuchte die Politik vorsichtig, die Verbreitung und den Missbrauch von Waffen einzuschränken. So wurden die Altersgrenzen zum Waffenerwerb für Jäger und Sportschützen angehoben. Unter 25-jährige mussten ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorlegen, um eine Waffenbesitzkarte zu beantragen. Die Vorschriften zur Aufbewahrung wurden verschärft. Zudem wurde der Kleine Waffenschein zum Führen von Schreckschusswaffen eingeführt. Pumpguns mit Pistolengriff wurden ebenso wie Wurfsterne, Spring-, Fall-, Faust- und Butterflymesser verboten. Trotzdem kamen und kommen selbst die jüngsten Jugendlichen problemlos an die härtesten legalen und illegalen Waffen heran. Das Internet beschafft alles. Anonym oder mit falschem Account bewaffnet gehen die minderjährigen Einkäufer auf Gun-Shoppingtour und legen sich ein ganzes Waffenarsenal zu, ohne dass es jemand merkt. Oder sie basteln nach entsprechenden Skizzen und Bauanweisungen, die im Internet leicht zu finden sind, ihre eigenen Bomben und Sprengsätze zusammen.

Eltern verschließen oft die Augen, haben den Zugang zu ihrem Nachwuchs komplett verloren, haben Erziehung längst abgebrochen und überlassen den Jugendlichen sich selbst. Die meisten Täter prahlen oft schon Monate vor ihrem „Tag“ mit ihrem geplanten Blutbad in Chat-Foren unter Gleichgesinnten – hier würden sich genügend Anhaltspunkte finden, Fehlentwicklungen und kommende schreckliche Taten rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Trotz all der Amokläufe der letzten Jahren ist seit 2009 der Erwerb von Anscheinswaffen nicht mehr verboten. Jägern und Sportschützen ist unter bestimmten Voraussetzungen (Hülsenlänge, Gesamtlänge, Magazinkapazität u.ä.) der Erwerb frei erlaubt. Analog dürfen „Freie Anscheinswaffen“ (unter 7,5 Joule Mündungsenergie) von Volljährigen sowie Softair-Anscheinswaffen unter 0,5 Joule von 14-jährigen erworben werden. Ist dies wirklich der richtige Schritt, um Amokläufe zu verhindern?

abbas-schirmohammadi

 

HP PSY Abbas Schirmohammadi
Heilpraktiker für Psychotherapie & Personality Coach