PSYCHOLOGIE aktuell

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Die Alkoholsucht - noch ein Schluck zum Abgrund

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Fortsetzung von Teenie-Sport „Koma-Saufen“ - Alle wichtigen Facts & Infos über Sucht

Alkoholsucht
Die Alkoholabhängigkeit gilt weltweit als die häufigste Suchterkrankung und schränkt die Lebensqualität des Betroffenen enorm ein. Über 14 Millionen Deutsche konsumieren so viel Alkohol, dass ihnen schwere Gesundheitsschäden dadurch entstehen.

Jährlich sterben über 60.000 Deutsche an alkoholbedingten Krankheiten. Es kommt es zu mehr als 3.000 alkoholbedingten Fehlgeburten, weil die Mütter während der Schwangerschaft zu viel Alkohol getrunken haben.

Die 4 Stadien der Alkoholabhängigkeit sind:

  • Präalkoholische Phase: Bei bestimmten Gelegenheiten und Anlässen werden mäßige, überschaubare Mengen Alkohol getrunken, um Spannungen zu beseitigen. Bereits eine leichte Erhöhung der Alkoholtoleranz führt zu einem fast täglichen Alkoholkonsum.
  • Prodromalphase: Der Alkoholkonsum und die Toleranzentwicklung nehmen zu. Alkoholvorräte werden angelegt; ständiges Denken an Alkohol. Heimliches Trinken und Schuldgefühle danach. Der Alkoholkonsum wird verharmlost. Erste amnestische Lücken entstehen.
  • Kritische Phase: Es entwickeln sich eine starke psychische Abhängigkeit und Kontrollverlust. Schon morgens wird getrunken, die Abstinenzphasen werden immer kürzer. Der Alkoholkonsum wird bagatellisiert, Hilfe abgelehnt. Familiäre und berufliche Schwierigkeiten häufen sich. Beginnende Wesensveränderung mit Affektlabilität, Reizbarkeit, Nivellierung und Interessenverlust.
  • Chronische Phase: Es kommt zu tagelangen Räuschen. Somatische Komplikationen treten auf. Die bisher erhöhte Alkoholtoleranz vermindert sich bis hin zur Alkoholintoleranz. Es kommt zu Delirien, Alkoholpsychosen und pathologische Räuschen.

Das Trinkverhalten von Männern und Frauen unterscheidet sich wie folgt:

Männer

  • trinken meist in Gruppen
  • bevorzugen Bier

Frauen

  • beginnen i.d.R. mit härteren Getränken
  • trinken häufig alleine und heimlich
  • gehören oft einer höheren sozialen Schicht an
  • nehmen meistens dazu noch Tabletten
  • entwickeln schneller körperliche Folgeschäden

Die 5 Alkoholismusformen (nach Jellinek):

  • Der Alpha-Typ beabsichtigt, Konflikte im Alkohol zu ersäufen. Durch das Trinken verdrängt er, er erfährt Entlastung und holt sich so in Belastungssituationen ein gesteigertes Selbstvertrauen. Er ist temporär psychisch abhängig, aber fähig, abstinent zu bleiben.
  • Der Beta-Typ sucht übermäßig häufig Anlässe auf, wo Alkohol getrunken wird. Er ist nicht abhängig und kann abstinent bleiben, jedoch kommt es häufig zu Organschäden.
  • Der Gamma-Typ ist psychisch und körperlich abhängig und weist schwere Entzugssymptome auf, wenn er mal keinen Alkohol bekommt. Beim Trinken erleidet er einen Kontrollverlust. Im Verlauf nimmt die Alkoholtoleranz ab, bis er schließlich merkt, dass er ganz unten angelangt ist und Hilfe benötigt.
  • Der Delta-Typ braucht immer einen gewissen Alkoholspiegel im Blut, eine rauschlose Dauerimprägnierung findet hier statt. Es besteht körperliche Abhängigkeit mit deutlichen Entzugszeichen, oft toxischen Schäden. Er ist aber fähig, beim Trinken die Kontrolle zu behalten.
  • Der Epsilon-Typ ist der Quartalssäufer, der Wochen oder Monate lang nicht trinkt und dann wie ein Wahnsinniger sich ins Koma säuft. Es ist ein episodischer, exzessiver Alkoholkonsum mit Kontrollverlust.

Folgeschäden durch zu viel Alkohol können sein:

  • Pachymeningeosis
  • Wernicke-Enzephalopathie
  • Fettleber, Hepatitis, Leberzirrhose
  • Pankreatitis
  • Impotenz
  • Marchiafava-Bignami-Syndrom
  • Großhirn-, Kleinhirnatrophie
  • zentrale pontine Myelinolyse
  • Gastritis, Magenulkus
  • Alkoholtremor
  • Polyneuropathie
  • reduzierter Allgemeinzustand
  • Inappetenz und Gewichtsabnahme
  • gerötete Gesichtshaut mit Teleangiektasien
  • Spider-Nävi
  • Muskelatrophien
  • Schlafstörungen
  • Potenzstörungen

Soziale Störungen durch Alkohol

Die mitmenschlichen Beziehungen leiden enorm unter der Einengung des auf den Alkohol ausgerichteten Denkens. Gefühlslabilität und Interessenverlust des Betroffenen belasten Freunde und Familie sehr, oftmals kommt es zur Trennung vom Lebenspartner und sogar zur Zerrüttung der Familie.

Am Arbeitsplatz fällt der Alkoholiker wegen sinkender Arbeitsleistungen und häufigem Fehlen auf. Arbeitsunfälle nehmen zu. Der berufliche Abstieg ist nicht mehr aufzuhalten.

Kriminelle Folgen sind nicht selten. Durch den vielen Alkohol findet eine negative Wesensänderung statt. Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung, Körperverletzung, Totschlag – alles ist möglich. Für manche Alkoholkranke endet die Sucht mit der Obdachlosigkeit.

Therapie der Alkoholsucht

Die Therapie alkoholgefährdeter und -abhängiger Menschen muss – je nach Stadium der Erkrankung – individuell geplant werden. Voraussetzung für jede Therapie ist die Bereitschaft des Betroffenen, eine Motivation zur Abstinenz aufzubauen und der Wunsch, sich professionell helfen lassen zu wollen.

Ziele der Kontaktphase sind:

  • Informationsvermittlung über Epidemiologie sowie psychische, körperliche und soziale Folgen der Alkoholabhängigkeit
  • Besprechung der bereits eingetretenen negativen Folgen des Alkoholkonsums
  • Konkrete Formulierung von Zielen und Maßnahmen zur Zielerreichung
  • Informationsvermittlung über mögliche Therapieformen
  • Empathie von Seiten des Therapeuten, Vermittlung von Hoffnung und Zuversicht

Der Befreiungsprozess aus der Alkoholabhängigkeit lässt sich in mehrere Stufen gliedern:

  • Einsicht zur Loslösung von der Abhängigkeit
  • Eingestehen und Annehmen fremder Hilfe
  • Akzeptieren der Alkoholkrankheit
  • Anerkennen des Verzichts auf Alkohol
  • Erkennen und Anstreben neuer Lebensziele
  • Beharrliches Üben zur Umsetzung der Einsichten

Die Alkoholtherapie findet i.d.R. stationär statt und besteht aus 4 Phasen:

  • Kontaktphase
  • Entgiftungsphase
  • Entwöhnungsphase
  • Nachsorgephase

Für jeden Patienten wird ein individueller Therapieplan erstellt. Hierfür gilt es, seine Alkoholvorgeschichte so genau wie möglich zu kennen:

  • Trinkmuster
  • Getränkeart
  • Trinkmenge
  • Dauer des übermäßigen Trinkens
  • Trinkgewohnheiten
  • übliche Trinksituationen
  • Trinkpausen
  • Motivation zum Trinken
  • Änderung der Alkoholverträglichkeit
  • Kontrollverlust
  • Häufigkeit des Rausches
  • Verhalten unter Alkoholeinwirkung
  • Entzugserscheinungen
  • körperliche Folgeerscheinungen
  • Vorbehandlungen oder stationäre Aufenthalte
  • familiäre Belastungen
  • Medikamentenmissbrauch
  • Krankheitseinsicht
  • Motivation zur Abstinenz

Die Entgiftung setzt mit abruptem Alkoholentzug ein. Es kann zu schweren Entzugssymptomen kommen, daher ist ab hier ein stationärer Aufenthalt dringend ratsam.

Die Entwöhnung dient dazu, das individuelle Bedingungsgeflecht der Alkoholabhängigkeit aufzudecken und in seiner Wirksamkeit abzuschwächen.

Für die Sicherung des Therapieerfolges ist der nahtlose Übergang von der Entwöhnungsphase in die Nachsorge (u.a. psychische Betreuung, Eingliederungsmaßnahmen) von großer Bedeutung. Ziele sind, unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, die sozialen Kontakte in einer alkoholarmen Umgebung zu fördern, eine zweckmäßige Tagesstrukturierung zu festigen und die Selbstheilungskräfte zu stärken.

Selbsthilfeorganisationen (z.B. die Anonymen Alkoholiker, das Blaue Kreuz, die Guttempler) helfen dem „trockenen“ Alkoholiker, die Gruppenmitglieder bestärken sich immer wieder gegenseitig, trocken zu bleiben, und unterstützen sich und andere bei der Bewältigung des Alkoholproblems.

Lesen Sie weiter: Die Nikotinabhängigkeit - Smoking kills

abbas-schirmohammadi

HP PSY Abbas Schirmohammadi

Heilpraktiker für Psychotherapie, Dipl. Personality Coach,
Sucht-Experte, mehrfacher Buchautor

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