PSYCHOLOGIE aktuell

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Die HERZWESEN® Persönlichkeiten – auch in Corona Zeiten sind sie unterwegs

 

 

In vielen Kitas und Grundschulen waren die HERZWESEN® bis zum letzten Tag der Schließung. Gerade in dieser schwierigen Zeit waren sie den Kindern sehr wichtige Mittler für ihre Gefühle und Bedürfnisse. Spürbar war, wie nahe bereits im Februar, nach Karneval, auch den Kindern dieses Corona-Monster, so haben es viele Kinder genannt, gegangen ist. Erfassbar wurde schon zu der Zeit in den sozial-emotionalen Kompetenztrainings, dass Kinder einen anderen Raum der Kommunikation und Ausdrucksmöglichkeiten benötigen als Erwachsene.

Das Unmögliche möglich machen

Als  Therapeutin, die sich auch das Thema Stärkung von Widerstandsfähigkeit, Selbstwirksamkeit insbesondere von ängstlichen, stillen und schüchtern Kindern spezialisiert hat, versuchte ich so ruhig wie möglich auf die vielen Fragen der 5-6jährigen Kinder einzugehen und spürte doch, dass auch mein Wissen sowie alle Informationen, die ich in den letzten Wochen aus unterschiedlichsten Medien selbst erfahren hatte, nicht ausreichend waren, um solch ein existentielles Thema zu umfassen. Ein Moment von Kreativität und Leichtigkeit war jedoch erfahrbar als ich die Kinder fragte, ob sie eine Geschichte der HERZWESEN hören wollen und aus ihrer Fantasie heraus malen möchten. Alle zehn Kinder schauten mich an und so fragte ich die Kinder, was denn Fantasie bedeuten könne. Daraufhin antwortete ein 6 Jahre altes Mädchen, sehr prägnant: Fantasie zu haben heißt für mich, das Unmögliche möglich zu machen.“

Diese Äußerung erschien mir so bedeutend, dass ich sie noch einmal wiederholen ließ. „Fantasie heißt das Unmögliche möglich zu machen,“ sagte das Mädchen, während wir alle sehr still dasaßen. Gespannt auf ihre Antwort stellte ich die Frage: „Was würdest du dann malen?“ und sie sagte: „Dann würde ich auch Unmögliches malen, etwas, was so gar nicht ist oder sein darf. Aber es ist dann im Bild da, weil es dort sein darf.“  In ihrer Aussage, das Unmögliche möglich zu machen war bereits alles enthalten!

In einem Malprozess wurde alles zum Ausdruck gebracht - ohne Bewertung - und zwar so, wie es gerade in dem Moment von den Kindern empfunden wurde und gerade im Innern der Kinder lebendig war. Wenn die Kinder von dem regnerisch, nassen Wetter der letzten Wochen sprachen, wo sie kaum noch zum draußen spielen wollten, fragte ich sie beim Malen, wie es denn jetzt an ihrem Lieblingsplatz oder ihrer Lieblingslandschaft aussehe. Die Kinder malten in ihre Bilder der HERZWESEN, die sie sich ausgesucht hatten, Sandstrände, kleine und große Sandburgen und durch Brücken verbundene Burgen, die auch mit Flaggen versehen wurden. Auch das Thema „Corona“, das eingangs mit großem Unbehagen, Ängsten und vielen Fragen die Kinder erfüllte, erhielt beim Malen noch einmal einen anderen Raum der Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Thema, denn einige Kinder zeichneten in die Ausmalvorlagen den Persönlichkeiten auch Smartphones in die Hand. So könne man noch in Kontakt bleiben, sagten sie wohlwissend. Zu diesem Zeitpunkt war die kreativ-pädagogische Auseinandersetzung mit der Krise in den Malprozessen sehr hilfreich und unterstützend für die Vorschulkindergruppe.

   

M.A,Raithel

 Covid- 19 zog immer größere Kreise und so war die Schließung von Kitas und Schulen zum 16. März für alle Akteure vorhersehbar, denn schon eine Woche vorher wartete man von Tag zu Tag darauf, dass genau diese Maßnahme zum Tragen kam.

Persönliche Erfahrungen in den Wochen mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen

Über Mail und Telefon ließen sich die Verbindungen zu den Kitas, Schulen und zu Eltern sowie hiesigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen sehr gut aufrechterhalten. Ein Austausch von Links zu „Social media“ Kanälen mit Bewegungs- und Beschäftigungsangeboten für Kinder und Eltern bereicherte alle. Für die Kinder reichte ich österliche Ausmalbilder von den HERZWESEN-Persönlichkeiten weiter.  Und auch ich erhielt aus den Kitas persönliche Ostergrüße und gemalte Bilder von Kindern in der Notbetreuung. Aus allen persönlichen Grüßen und Worten ließ es sich sozusagen herauslesen, wie sehr Erzieher*innen und Pädagog*innen ein gemeinsames Ziel verfolgen - weiterhin die Kinder und ihre Eltern erreichen zu wollen.

Neue Zugangswege ermöglichen

Ausgestattet mit Kamera und Diktiergerät am Handy machte ich mich wandernd auf den Weg, um die nahegelegenen Städte und Dörfer, die ich bislang nur aus dem Auto auf dem Weg zu Kitas und Grundschulen kennengelernt hatte, zu erkunden. Einerseits sollten diese kleinen Ausflüge dazu dienen, Wandertipps und Ausflugsmöglichkeiten als Tipp per Mail an die Eltern weiterzuleiten, andererseits sollten Bilder von Tieren, Blumen und Bäumen sowie Ausmalbilder und Vorlagen die Kinder motivieren, um auch die Zeit für Naturerfahrungen zu nutzen. Was den Praxistransfer anbelangt –gerne gebe ich schnell umsetzbare und für eine Familie praktikable und praktische Tipps, die auch individualisierbar sind und berichte von meinen Erfahrungen in den Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte.  

In dieser Osterzeit – jenseits von Corona und allen medialen Erfahrungen wollte ich den Wert von Naturerfahrungen selbst erkunden! Bereits auf meiner ersten Wanderung in einen nahegelegenen Stadtteil wurde ich dort schon von Weitem von einem Geschwisterpaar begrüßt, das die HERZWESEN noch aus einem Vorkurs in einer Kita in Erinnerung hatte. Die Kinder wirkten fröhlich, fuhren Fahrrad in der Anliegerstraße und auf dem Gehweg konnte man sehen, dass im Laufe der letzten Tage bunte Bilder aus Kreide entstanden waren. Was es heißt „Social distance“ zu halten, hatten sie verinnerlicht. Auch die anderen, auf der Straße spielenden Kinder hielten einen gebührenden Abstand zueinander, während sie es doch vortrefflich verstanden, miteinander zu spielen und sich in guten Absprachen leichttaten, um immer wieder neue Spiele zu überlegen. Wenn sie von ihren Erfahrungen berichteten, war das Arbeiten im „Homeoffice“ der Eltern an diesem Tag das, worüber die Kinder am meisten ins Gespräch kommen wollten. Einerseits wirkte der Begriff aus ihrem Mund schon vertraut und in ihr Vokabular integriert, andererseits jedoch mischte sich auch etwas Unzufriedenheit ein, wenn die Kinder davon erzählten, dass sie sich lange alleine beschäftigen müssten. Viel Zuspruch erhielten die Eltern von ihren Kindern für die Zeit ein gemeinsamen Frühstücks und Abendessens.

Eine Mutter stand an ihrer Haustüre und winkte mir freundlich zu und sagte, dass es für sie eine sehr schwierige Zeit sei neben dem Homeoffice Tagesstrukturen für zwei Kinder zu erstellen, die Hausaufgaben des Erstklässlers und der Zweitklässlerin zu begleiten. Daneben müsse sie auch die Einkäufe bewältigen, lange Zeiten dafür investieren, insgesamt vielmehr planen als mal eben nach der Arbeit in den Discounter zu fahren. Und am Abend merke sie schon, dass alle doch ganz schön müde seien, und auch in der Nacht würden die Kinder öfters wieder zu den Eltern ins Bett kommen, weil sie schlecht geträumt haben. Am Morgen sei sie wie gerädert, aber da warte schon wieder das Homeoffice und das fordere sie ganz schön.

Was die Kinder betrifft, so waren die Formulierungen an diesem Gründonnerstag einhellig: Wir wünschen uns wieder, dass alles so wird wie vorher! Sie vermissten den Kindergarten oder die Schule, ihre Freunde, Freizeitaktivitäten und vor allem waren viele Kinder traurig, dass sie Omas und Opas über Ostern nicht sehen durften. Auch wenn ihnen der Grund bewusst war und sie verstanden hatten, dass sie so auch dazu beitragen konnten, die Großeltern vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen, so war es mir bei diesen Begegnungen wichtig, dass die Kinder auch von ihrer Traurigkeit berichten durften und ihre Gefühle auch so in Ordnung waren. Die meisten Familien hatten nun ihr Osterfest ganz anders geplant und auch gute Lösungen gefunden. Entweder wurde ein Päckchen an Oma und Opa verschickt oder mit entsprechendem Abstand das Osterkörbchen an die Haustür gebracht und sich daran erfreut, dass Opa und Oma ihnen vom Fenster aus zugewinkt haben, so berichteten die Kinder in der Siedlung.

 

Alles wird gut!

An diesem Tag wanderte ich weiter und in einem weiteren Wohngebiet traf ich wieder auf Kinder, die ich aus einer anderen Kita kenne. Auch hier zeigte sich im Spiel, wie die Kinder das Thema der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen durch das Corona-Virus für sich verarbeiteten. Die Kinder zeigten mir gleich, was sie gemalt haben.  Ein 6-jähriger Junge aus einem aktuellen Kurs erzählte besonders stolz: „Nicht so wie auf den kleinen Blättern im Kindergarten habe ich gemalt, sondern ich habe den ganzen Gehweg mit einem Schmetterling ausgemalt,“ sagt er. Ich frage ihn, ob ich den Schmetterling fotografieren dürfe, und ein wenig zurückhaltend antwortet er mir, dass er mir dann auch gerne von dem Schmetterling erzählen wolle. Der sei ja auch vorher ein Kokon gewesen und aus dem sei dann der bunte Schmetterling geworden. Der bunte Falter, der einen breiten Raum des Gehweges einnimmt, spannt weit seine Flügel auf und es erscheint so, als könne er gerade fliegen, wohin er wolle.

 

 

Spürbar wird, wie wichtig dem Jungen die Auseinandersetzung mit dem Kokon und der Entwicklung bis zum Schmetterling gewesen ist. Er erzählt mit ernster Stimme, wie schade er es findet, dass sie nicht in den Urlaub nach Mallorca geflogen seien. Die Großeltern seien dort zum Überwintern in ihrem großen Haus. Oma und Opa fehlen der Familie – dies ist spürbar und im Moment gibt es auch noch keine Perspektive, wann sie die Zwei wiedersehen werden. In der Familie wird das Medium Skype regelmäßig genutzt, erzählt der Junge, und da könne er zumindest abends die Großeltern sehen und sich mit ihnen unterhalten. Aber das sei ja nicht so wirklich, so wie wenn man mit Opa und Oma in echt zusammen sei und kuscheln, knuddeln und spielen könne, sagt er. Und das ist ja auch wirklich so und ich rede es auch in dem Moment nicht weg, sondern sage ihm, dass ich ihn gut verstehen könne.

Malen für Kinder als Ressource

Mit einer Dame, die ihr Fenster österlich geschmückt hat, komme ich spontan ins Gespräch. Sie hat eine Seite eines Fensters besonders geschmückt. Mit weißer Glasmalfarbe hat sie ein wunderbares Bild gezaubert, das einen Osterhasen auf Ostereiersuche zeigt. Daneben geschrieben hat sie Worte, die in dieser Zeit eine besondere Bedeutung haben. Wir bleiben zuhause, Maske zeigen, Händewaschen! Sie fragt nach, weshalb ich dem Bild so eine Bedeutung beimesse. Darüber kommen wir am Fenster ihrer Wohnung in Kontakt und sie erzählt von ihren Beobachtungen der letzten Tage. „Die Kinder sind den ganzen Tag auf der Straße und dies ist mein Beitrag in der Situation, wenn ich sie mit diesem selbstgemalten Bild erfreuen kann. Ich lebe alleine hier und bin kinderlos. Ich bin selbst erstaunt darüber wieviel Zuspruch dieses Bild in den letzten Tagen gefunden hat. Nicht nur bei den Kindern,“ schmunzelt sie. Sie freut sich darüber, dass es nun fotografiert werde.

 

 

Neue Zugangswege ermöglichen

Mit vielen Kinder und Eltern bin ich ganz spontan ins Gespräch gekommen. In Wohngegenden sah ich Menschen, die Bücherkisten, Spielsachen für Kinder, aber auch sehr viel gut erhaltene Dinge des täglichen Bedarfs in Wäschekörben vor die Haustür gestellt haben. Und öfters war es so, wenn ich mich für etwas interessierte, ein Buch in die Hand nahm, dass Menschen an die Türe gekommen sind und mich ermutigt haben ein Kinderbuch mitzunehmen und insgesamt auch froh waren über ihre Aktion mit einem Mensch ins Gespräch zu kommen.

Ist diese, die ganze Welt überwältigende Krise auch eine Chance, dass wir uns menschlich gesehen verändern und auch unter Wahrung von „Social distancing“ uns näher begegnen? Das Miteinander hat sich verändert, soviel ist erfahrbar geworden.

Und doch ist es wichtig, dass wir uns in kleinsten Schrittchen auf Kita und Schule, die Erwachsenen sich nach und nach wieder auf ihren Job vorbereiten. Auch für uns Therapeut*innen ist es eine besondere Herausforderung.  Und für alles Kommende, so ungewiss manches noch sein mag - und darin bin ich mir sicher – werden wir auch wieder neue Abläufe und Strukturen finden. Wichtig wird es sein, dass wir achtsam mit all diesen Veränderungen umgehen, um  Wege zu einem Alltagsgeschehen zurückfinden.

Der Weg der kleinen Schritte

Aus meiner über 25jährigen Praxiserfahrung hat sich immer schon „der Weg der kleinen Schritte“ bewährt. Er funktioniert, ist integrierbar und beinhaltet auch immer wieder die Möglichkeit anzuhalten, zu schauen, was gut davon funktioniert und was auch noch einmal verändert werden darf.

Die neuen Zugangswege und Erfahrungen, die ich als Konzeptentwicklerin mit HERZWESEN® - Lernen mit allen Sinnen in dieser Zeit voller Herausforderungen gemacht habe - sie sind eher ganz einfach beim Wandern geschehen. Für die HERZWESEN-Persönlichkeiten werden sie zu einem großen Entwicklungsschritt werden und den Raum für Angebote öffnen, die mit neuen Zugangswegen auch funktionieren. Denn das Konzept HERZWESEN mit seinen kleinen und großen Persönlichkeiten, den archetypischen Handpuppen sind sie wichtige Wegbegleiter in einer Zeit, die uns alle vor Herausforderungen stellt. Nutzen wir sie als Chance!


Marie-Anne Raithel

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Coach DVNLP/ systemische Ausrichtung

EMDR-Therapeutin (VDH/DGMT)     

Sozial-emotionales Kompetenztraining

HERZWESEN® - Lernen mit allen Sinnen

– präventiv und resilienzfördernd –

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