PSYCHOLOGIE aktuell

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Psychischer Schleuderkurs in der Lebensmitte

 

Die Midlife-Crisis ist mehr als nur Klischee: Grade im Herbst leidet mancher an der Seele. Eigentlich hätte Knut allen Grund zu guter Laune: Er treibt Sport und ist – für Mitte 40 – gesund und fit. Der Arbeitsplatz scheint sicher, das Geld reicht, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus und die Ehe scheint besser als bei manchem im Bekanntenkreis. Doch immer öfter, das merkt er inzwischen selbst, fängt er an zu grübeln, ist gereizt oder traurig. Auch das Wetter schlägt ihm aufs Gemüt – bislang fand er den Herbst eher angenehm. „Das ist die Midlife-Crisis“, denkt Knut halb ratlos, halb im Scherz – und liegt damit genau richtig.

„Die Midlife-Crisis gibt es wirklich“, schreibt der VFP, der größte Berufsverband freier Psychotherapeuten in Deutschland. „Die Midlife-Crisis ist zwar keine psychische Erkrankung oder Störung im engeren Sinne; das heißt aber nicht, dass sie unproblematisch ist.“ Das Phänomen wurde zuerst in den 70er Jahren beschrieben. „Heute ist der Begriff meist mit Klischees behaftet. Das macht es für Betroffene nicht leichter“, so die Freien Therapeuten. „Tatsächlich handelt es sich um eine krisenhafte Phase, die aber nicht jeder erlebt und die auch nicht immer gleich verläuft.“

Für sich genommen ist die Midlife-Crisis nicht schlimm. Sie sei Bestandteil der seelischen Entwicklung des Menschen: „Menschen richten ihr Leben – bewusst oder unbewusst – auf Ziele und Lebensträume aus. Und so zwischen 40 und 50 zieht bei vielen das Unterbewusstsein Bilanz: Was habe ich erreicht? Was ist von meinen Träumen geblieben? Und was bleibt mir jetzt noch? Das kann ziemlich anstrengend sein.“

Meist endet der psychische Schleuderkurs mit einer Stärkung der Persönlichkeit, bilanziert der VFP die Erfahrungen aus mehr als 11 000 Praxen in ganz Deutschland. Unter Umständen könne die Midlife-Crisis aber auch zum wirklichen Problem werden: etwa bei einem Hang zu depressiven Verstimmungen oder wenn die Seele vorbelastet ist. Spätestens, wenn man sich selbst nicht mehr wohlfühlt oder wenn das Umfeld reagiert, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. „Es ist keine gute Idee, die seelische Zwischenbilanz medikamentös wegzudrücken“, so der Verband. „Aber es gibt eine Reihe erprobter und bewährter Methoden, mit denen sich vermeiden lässt, dass aus der psychischen Krisensituation eine ernsthafte Störung wird.“

 

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