PSYCHOLOGIE aktuell

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Was ist Hypnose wirklich und wie wird sie induziert?

hypnose

In vielen Beschreibungen der Literatur und auf sehr vielen Webseiten liest man Erklärungen, was Hypnose ist und es wird meist erklärt, indem beschrieben wird, was Hypnose nicht ist (kein Schlaf, kein Kontrollverlust etc.). Ich habe im deutschsprachigen Raum bisher noch keine Erläuterung gelesen, die Hypnose wirklich in ihrer Entstehung erläutert und ich persönlich halte die folgende Erklärung für sehr einleuchtend und klar verständlich:

Der Ursprung

Alles hat einen Ursprung und deshalb ist die Vergegenwärtigung der Evolution so wichtig. Schauen wir also auf den ersten Menschen, den „primitiven“ Mensch. Mir geht es hierbei nicht um die Herleitung, was das war, wer das war oder wann das war. Da gibt es sicherlich sehr detaillierte Ausführung nachzulesen. Mir geht es um die Herleitung und Erläuterung eines der natürlichsten Prozesse in uns, die Hypnose.  Als erstes war der Überlebensinstinkt mit extremer Sensibilität für den Kampf- oder Flucht Modus des Menschen ausgeprägt. Bekam der Mensch Angst (und initial gab es zwei Ängste, die Angst vor dem Fallen und vor lauten Geräuschen), startete der Angstprozess über das zentrale Nervensystem, speziell dem Sympathikus. Dieser Angstprozess wird durch einen Anstieg von „Nachrichteneinheiten“ in unserem Gehirn initiiert, also kleinste Einheiten von Signalen, die in unserem Körper ausgesendet werden, aber auch von der externen Umgebung auf uns einwirken (was wir sehen, was wir hören etc.) Der Sympathikus sorgt dafür, dass das Blut aus den Organen in die Peripherie gepumpt wird, die Verdauung gestoppt wurde, Körpertemperatur und Körperwahrnehmung verändert wird und vieles mehr.  Nach außen wird die Fokussierung verändert u.a. das Hören, das Fühlen, das Riechen, was alles zu einem extremen Anstieg von solchen „Nachrichteneinheiten“ im Gehirn führt.

Einige Primaten entwickelten mehr Stärke und Aggressivität für den Kampfmodus, während andere Agilität, Geschwindigkeit und erhöhte Sensibilität für Geruch, Anblick und Gehör und den Fluchtmodus entwickelten. In dieser frühen Phase überlebte man nur über den Instinkt. Es gab keinen hemmenden Prozess von Schuld, Scham, Verlegenheit, Moral, religiöse Abhängigkeit, Treue und so vieles mehr. Der „Mensch“ rannte oder kämpfte je nach Bedrohung und wenn er nicht rennen oder kämpfen konnte, verharrte er in einem passiven, apathischen Zustand und stellte sich tot, bis die Bedrohung beendet war. Aufgrund seiner relativ kleinen Statur und wegen der permanenten Gefahr mit Gegner konfrontiert zu werden, fing er an, Stöcke und Steine zu verwenden. Er benutzte Kleider. Um sich nicht zu verraten, wurde das „Geschäft“ an bestimmten Örtlichkeiten verrichtet und es wurde damit begonnen, Gruppen zu bilden. Der „Mensch“ entwickelte die ersten hemmenden Prozesse: Verbergen der Nacktheit, Gruppierung usw.. Diese ersten hemmenden Prozesse ließen das Bewusstsein expandieren und mit diesem größer werden, übernahm der Mensch erstmalig u.U. mehr Verantwortung für andere wie für sich selbst. Das Unterbewusstsein kümmerte sich von nun an um die unwillkürlichen Dinge und die hemmenden Prozesse wurden in ein automatisches Kompensationssystem entwickelt, dem parasympathischen Nervensystem. Wann immer der Kampfmodus oder der Fluchtmodus über das sympathische Nervensystem aktiviert werden musste, regulierte das parasympathische Nervensystem das sympathische zurück zur Normalität.

 

Sozialisierungsfolgen

Über die weitere Entwicklung des Menschen bekam das Kämpfen weniger soziale Akzeptanz. Das parasympathische System begann die „Kampf“ Reaktion zu unterdrücken und erlaubte die Flucht als mehr akzeptierter Ausweichmechanismus zu akzeptieren. An diesem Punkt formten sich über die Entwicklung des Bewusstseins konditionierte Ängste und als Ausweichszenario funktionierten die ursprünglichen primitiven Vorgänge nicht mehr. Wann immer „Nachrichteneinheiten“ unbekannt waren oder eine Bedrohung darstellten, versuchte man in primitives Verhalten zurückzufallen, was immer weniger gelang. Vielmehr allerdings benutze man den neuen Bewusstseinsbereich des Geistes. Die initialen Ausweichmechanismen sind bis heute übriggeblieben, obwohl es mehr und mehr schwierig wird auszuweichen, weil das Bewusstsein immer weiter expandiert, da unser steigender sozialer Druck immer größeren Widerstand vor dem Fluchtmodus generiert. Hypnose und Angst werden in derselben Weise verursacht, was jetzt nicht zu der falschen Schlussfolgerung führen soll, dass Hypnose prinzipiell aus einer Angst heraus entsteht. Zwar gehen viele Menschen, deren Angst immer stärker wird in einen Trance Zustand also geschieht die Rückkehr zu einem solchen primitiven Geisteszustand aber die Hypnose kann natürlich auch durch die „positive Überladung“ von „Nachrichteneinheiten“ in unserm Gehirn entstehen.

 

Nachrichteneinheiten

Der Mensch empfängt über vier Quellen Meldungen, also „Nachrichteneinheiten“ in seinen Verstand: Die externe Umgebung sendet „Nachrichteneinheiten“ die sich mit dem Wetter, unseren täglichen Nachrichten, Musik usw. beschäftigen. Der Körper sendet Empfindungen, Bewegung, Gefühle usw.. Das Bewusstsein behandelt Logik, Gründe, Objektivität, Entscheidungen, und alle Einflüsse, die uns bewusst zugehen. Unsere Gedanken beispielsweise sind aus „Nachrichteneinheiten“ zusammengesetzt. Der moderne Mensch hat bis zu 70000 Gedanken am Tag, die sich aus einer Anzahl n von Gedanken zusammensetzen, sodass sich geschätzte Millionen von „Nachrichteneinheiten“ subsumieren. Das Unterbewusstsein ist die Quelle mit dem meisten Einfluss an „Nachrichteneinheiten“. Es empfängt und hält ohne Akzeptanz oder Verwerfung alle „Nachrichteneinheiten“, die wir religiös, sozial, und über den genetischen Ursprung erhalten und all die kleinen Konflikte, die täglich auf unser Bewusstsein einprasseln.

 

Toleranzfolgen

Man hat gelernt mit diesen „Nachrichteneinheiten“ umzugehen ohne den primitiven „Kampf“ oder „Flucht“ Modus zu aktivieren. Bezüglich dieser primitiven Reaktion wurde mehr und mehr die Toleranz erhöht. Dabei wurde das Schmerz vs. Vergnügen Syndrom entwickelt und integriert, was uns die mehr moderne Gesellschaft auferlegt hat. Dieses moderne Syndrom handelt mit Bekanntem (Vergnügen) und Unbekanntem (Schmerz). Bekannt wir nicht behandelt. Es ist da, wurde gelernt, wir verstehen es, assoziieren damit und sind damit zufrieden. Es bereitet uns Vergnügen. Unbekanntes ist das Gegenteil.  Es wurde nicht vorher gelernt, es verursacht in uns das Sammeln von Erfahrungen mit psychologischen und physiologischen Reaktionen, die uns nicht bekannt sind. Diese Reaktionen können den Geist und den Körper bedrohen und das resultierende Gefühl bringt uns Schmerz. Was für den einen bekannt ist, ist für den anderen unbekannt. Was für den einen Schmerz bedeutet, bringt dem anderen Vergnügen und umgekehrt. Sogar körperliches Unwohlsein oder negative Gedanken wie Depressionen können für den einen angenehm sein, einfach weil er Erfahrungen hat und der Geist akzeptiert es als bekannt. Darum akzeptiert der Geist Negatives. Um mit der steigenden Zahl von „Nachrichteneinheiten“ aus allen Bereichen umgehen zu können, die auf dem Schmerz/Vergnügen Prinzip basieren, erweiterte der moderne Mensch seine Toleranzschwelle bezüglich der „Kampf“ Reaktion durch Hinzufügen von Reaktion vs. Aktion und bezüglich der „Flucht“ Reaktion durch Hinzufügen von Unterwerfung und Depression. Wenn die Grenzen der maximalen Anzahl an „Nachrichteneinheiten“ überschritten wird, gibt es nur einen Weg auszuweichen, nämlich die Realität abzulehnen. Das kann aber der Mensch nicht tun, weil es sozial nicht akzeptiert wird, es entzieht ihm Vergnügen und bringt ihm Schmerz. Der Zwang nach sozialer Akzeptanz bringt ihn dazu es zu akzeptieren und es wird Realität. Über die zunehmenden Herausforderungen der Gesellschaft kommt mehr und mehr, was das System nicht behandeln kann. Reaktionen unterbleiben unfreiwillig und kommen dadurch in die Kontrolle des Bewusstseins. Dies wird erweitert. Das unwillkürliche System ist mehr und mehr auf sich selbst angewiesen und mehr und mehr abhängig vom Bewusstsein um Informationen für die mögliche Reaktion zu erhalten. Je komplexer die Gesellschaft wird und je mehr Bedrohungen kommen, desto größer wird das Bewusstsein und dessen Kontrolle und immer weniger das Unterbewusstsein mit Reaktionen. Je mehr Bekanntes entsteht durch die Expansion des Bewusstseins, erhöht sich die Toleranz für Druck.

Mit Erweiterung des „Kampf“ Modus von Reaktion und Aktion entwickelte der Mensch nervöse Ängste und Spannungen. Eine Reaktion findet im Körper statt und wir lassen Dampf ab durch Walking, Laufen, Arbeiten usw. Die Erweiterung des „Flucht“ Modus involviert Unterwerfung (alles in sich reinfressen, Hoffen auf Dampf ablassen über Träume oder emotionale Reaktionen) oder Depression (ein Ausweichen in Fantasie oder tiefen, langen Schlaf). Diese modernen Erweiterungen dieser Reaktionen eliminieren nicht das Antriggern der primitiven Modi „Kampf“ oder „Flucht“. Wir fallen immer zurück in diesen Zustand, wann immer die „Nachrichteneinheiten“ uns über den Kopf wachsen und durch die modernen Mechanismen nicht mehr behandelt werden können, oder wenn wir die Kontrolle verlieren. Wenn einer oder mehrere Quellen der „Nachrichteneinheiten“ zu stark aussenden, werden wir bedroht und fühlen uns in unserer Umgebung unsicher. Es erfolgen Körperreaktion wie innerlicher Druck, etc. Das Bewusstsein kann dann die immer größere Anzahl von „Nachrichteneinheiten“ nicht abwickeln und das Unterbewusstsein schaltet in den „Kampf“ oder „Flucht“ Modus.  Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, etc. Wenn wir dann realisieren, dass da nichts zu kämpfen ist, steigert das physische Gefühl die Angst und mehr und mehr Furcht vor dem Unbekannten steigt auf und der Druck nimmt innerlich zu. Zu unserem Schutz kompensiert das selbst regulierende parasympathische Nervensystem über. Es tut dies durch Veränderung des „Kampf“ und „Flucht“ Modus in eine physische Reaktion von langsamer und passiver Konditionierung, in der wir den Willen zum Kampf verlieren und still und schlafähnlich verharren, bis die Gefahr vorbei ist.Wenn wir also erkennen, dass wir aufgrund zu vieler „Nachrichteneinheiten“ nicht kämpfen können wie im Job oder in unserem Umfeld, dann fallen wir zurück in einen apathischen, hypersuggestiblen Zustand als Ausweichmechanismus für „Kampf“ und „Flucht“.

 

Hypnose

Hypnose wird genau über den gleichen Mechanismus erzeugt. Aber in einer positiven kontrollierten Situation. Der Hypnotiseur nimmt zu allererst den Sehsinn also einer der Schutzfunktionen und beginnt „Nachrichteneinheiten“ in den Verstand zu bringen, indem er z.B. erzählt, dass Arme, Beine und der ganze Körper die Tendenz haben, schwerer und entspannter zu fühlen. Immer mehr „Nachrichteneinheiten“ wirken auf Körper und Geist ein. Der Klient fühlt möglicherweise, dass sein Körper sich entspannt, eine Veränderung zu vorher, und immer mehr „Nachrichteneinheiten“ gehen in und durch den Körper und unseren Geist. Sollte eine Armversteifung oder Anhebung induziert werden, kommen diese „Nachrichteneinheiten“ vom Körper noch dazu. Das Bewusstsein will unmittelbar dagegen ankämpfen, kann es aber nicht, weil der Hypnotiseur schneller spricht als das Bewusstsein es ohne Konfusion entschlüsseln kann. Zusätzlich verwendet der Hypnotiseur Irreführung, die die Erwartungen des Klienten irritieren und ausnutzen, emotionale Gefühle und Ich-Empfindungen, und er verwendet Phrasen, die neu für den Klienten sind.Der Klient zieht sich in sein Unterbewusstsein zurück und in den Abwehrmechanismus „Kampf“. Möglicherweise findet eine Abreaktion statt und der Körper spannt sich an. Während dieses Zustands ist ein bestimmter Teil des Verstands gehemmt. Die vielen „Nachrichteneinheiten“ zwingen ihn dazu, den „Kampf“ Ausweichmodus zu aktivieren. Und in diesem plötzlichen Moment der Wahrheit, wenn der Klient leicht durch ein Fingerschnippen, eine Berührung an der Stirn, oder eine Erhöhung der Stimmlage und durch den Befehl „Schlaf“ durchgerüttelt wird und die eine „Nachrichteneinheit“ zuviel auftritt, findet der Austauschmechanismus statt. „Kampf“ wird in eine Induzierung des hypnotischen Zustands des Klienten ausgetauscht.  Die „Nachrichteneinheiten“ die in den Verstand gehen, erzeugen die Angst, die den Ausweichmodus auslösen.

Hypnose!!

Zu dieser Zeit fühlen sich Körper und Verstand in ihrer Umgebung sicher und der Verstand verliert die kritische Eigenschaft, die normalerweise Suggestionen verwirft. Während dieser „Kampf“ oder „Flucht“ Reaktion in Hypnose finden physische Veränderungen statt, wie Veränderung der Atmung (Verstand braucht mehr Sauerstoff), Trockenheit im Mund (normal in Angstsituationen), Schnelle Augenbewegung (Verstand versucht zu kämpfen durch Simulation von Traumzuständen). Wenn der Klient in den hypnotischen Zustand eintritt, wird der Körper still, die Augen haben die Tendenz hochzurollen, die Atmung verlangsamt sich und der Gesichtsmuskel entspannt, genauso wie ein Angstzustand seine Spitze erreicht und der Ausweichmechanismus „Depression“ stattfindet. 

Angst und Hypnose sind das Gleiche.
Mit einer Ausnahme: Hypnose ist ein angenehmer Zustand in einer kontrollierten Umgebung, während Angst ein Panikzustand in einer unkontrollierten Umgebung ist.

 

Kurze persönliche Anmerkung…

Nicht zuletzt aus diesem Grund möge man mir zugestehen, dass ich der Meinung bin, dass Hypnose alleine schon nur durch die „Umleitung“ des Ausweichmodus die effizienteste Therapie bei Depressionen ist. Übrigens…. Eine ähnliche Herleitung gibt es auch für die Migräne….

 


Michael Monien

HypnoseCoach

www.hypnose-odw.de

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